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IGFM - Internationale Gesellschaft für Menschenrechte - Deutsche Sektion e.V., Borsigallee 9
60388 Frankfurt/Main www.igfm.d
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Kroatien: Folteropfer in Europa - beiseite geschoben
von IGFM, Deutsche Sektion e.V.

„In jedem Leben gibt es Ereignisse, die wir lieber vergessen würden. Aber haben wir das Recht dazu? Diese Frage beschäftigte mich vier Jahre lang. Vier Jahre versuchte ich, Krieg und Lager zu vergessen.“

Danach hat Jadranka Cigelj drei Jahre gebraucht, den ganzen Schmerz und die Erniedrigungen in ihrem Buch „Appartement 102“ niederzuschreiben und dabei noch einmal zu durchleben. „Das Zimmer, in dem ich mit 17 weiteren Frauen gefangen gehalten wurde, hatte die Nummer 102. In diesem Raum lebten Menschen mit ihrer Liebe, ihrer Angst, ihrem Hass, der Hoffnung und allem, was den Menschen menschlich macht. Die Stunden vergingen langsam, und jede Minute konnte den Tod bringen. Doch unsere Freundschaft untereinander war so stark, dass wir den Wunsch hatten, wenigstens eine von uns müsse am Leben bleiben.“
Jadranka Cigelj war erfolgreiche Rechtsanwältin in Prijedor in Bosnien, bevor sie und weitere 36 Frauen in Omarska eingekerkert wurden. Fünf von ihnen wurden dort ermordet. Omarska war ein serbisches Konzentrationslager in Bosnien, mit dem man die schlimmsten Grausamkeiten des Jugoslawienkriegs verbindet. Über 3.000 meist bosnische Männer wurden auf brutalste Weise umgebracht. Für die Opfer und Hinterbliebenen war es nur ein schwacher Trost, dass sich der serbische Kommandant Zeljko Mejakic vor dem Ad-hoc-Tribunal in Den Haag verantworten musste.
Als Jugoslawien zerfiel, definierten sich die neu entstandenen Staaten überwiegend ethnisch und auch über die Religion. Prijedor, wo einst Kroaten, Bosnier und Serben nebeneinander lebten, ist heute überwiegend muslimisch bosnisch. Jadranka ist katholische Kroatin und sie fühlt sich in Prijedor nicht mehr zu Hause. Sie lebt heute in Zagreb und leitet die kroatische Sektion der IGFM.
Jadranka Cigelj hat die Hölle von Omarska überlebt, und als Rechtsanwältin brachte sie beste Voraussetzungen mit, trotz der eigenen großen psychischen und physischen Schmerzen die Rechte der Opfer zu vertreten, Angehörige zu verständigen und zu trösten und Täter zu finden, damit sie vor Gericht gestellt werden können, und die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse wach zu halten. Sie hat durch die offene Beschreibung ihres Schicksals mitgeholfen, dass systematische Vergewaltigung in die Liste der Kriegsverbrechen aufgenommen wurde.
Weltweit wurde sie zu Vorträgen eingeladen; sie erhielt Preise für ihre Standhaftigkeit; man zeigte sich gerne neben dieser mutigen Frau. Dass man den Opfern finanziell helfen werde, hat sie oft gehört. Doch als sie begann, Wiedergutmachungsansprüche für sich und die anderen kroatischen Frauen von Omarska zu stellen, hat man sie im Stich gelassen. Ohne die Zuwendungen der IGFM hätte sie manchen Zeugentermin selbst in Den Haag nicht wahrnehmen können. Es blieb die kleine Hoffnung auf eine Entschädigung aus Serbien für die erfahrenen Leiden. Aber Entschädigung hieße, die Verbrechen anzuerkennen, und so zahlt Serbien nicht. Bosnien hat versprochen, den bosnischen Opfern 260 Euro zu zahlen, aber Frau Cigelj wohnt jetzt in Zagreb und so zahlt Bosnien nicht. Und Kroatien zahlt nicht, weil die Verbrechen in Bosnien geschahen und Serben die Täter waren. Den Krieg wollen die meisten vergessen, und am bequemsten ist es, die Opfer zu bagatellisieren.
Jadranka Cigelj hat Schweres erlitten und noch mehr für die Gerechtigkeit und für andere getan, soll sie wirklich nur mit ihrer Rente von 200 Euro monatlich leben müssen? Könnten Sie sich vorstellen, mit 50 bis 100 Euro eine monatliche Patenschaft einzugehen, um damit einen Fonds aufzubauen, aus dem wir Frau Cigelj und die wenigen anderen noch lebenden Opfer von Omarska unterstützen, damit sie auch weiterhin als Zeit- und Augenzeugen arbeiten können?
Frau Cigelj spricht Deutsch. Gerne vermitteln wir einen Vortrag oder eine Lesung, wenn sie uns in Deutschland besucht. Kennwort: Fonds für Omarska-Opfer (43)

Auszug aus Newsletter "Für die Menschenrechte, IGFM, Juni 2011