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AK(T)zeptiert
Zwei Schlampen frech und furchtlos
gegen Jugendwahn und Schönheitsdiktat
in Aktbildern und Texten
Ilona Weinberger/Pera Arendt
Kart; mit s/w Fotografien
ISBN 978-3938580-12-7/€ 14,00
Leseprobe (PDF)
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Frauen-Körper haben ein Verfallsdatum. Mit Überschreiten der 40 verlieren sie ihren Anspruch, als sexuell attraktiv wahrgenommen zu werden. Denn schön, begehrens- und zeigenswert sind sie nur im vor-reifen Zustand.
Gegen diese Norm haben Ilona Weinberger und Petra Arendt den eigenen Körper fotografisch ins Bild gesetzt und dabei auch bis dahin ungesehene Brüche in ihrer Lebensgeschichte aufgedeckt.
Ilona und Petra, beide Mitte 40, finden sich nach gescheiterter Ehe unfreiwillig als Single-Frauen wieder. Schräg und mit viel Selbstironie erzählen beide von ihrem Hadern mit dem Älterwerden und dem einsetzenden torschlusspanikartigen Gefühl, etwas verpasst zu haben. Es beginnt die schonungslose Suche nach dem "richtigen" Mann. Geschichten über fehlgeschlagene Beziehungsstrategien und missglückte Sexabenteuer voll ungewollter Situationskomik. Ihre emotionalen Ausnahmezustände haben die beiden dabei als "therapeutische Maßnahme" fotografisch in Szene gesetzt.
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Auszug |
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... Da wir nicht nur sterile Studioaufnahmen wollten, fotografierte Ilona auch überall im Haus, in dem sie wohnt. Auf dem Dachboden, im Treppenhaus und in den Kellergängen. Das war natürlich immer mit dem prickelnden Risiko verbunden, von den anderen Hausbewohnern „erwischt“ zu werden.
Bei Aufnahmen zu einer Fotoserie stand ich wartend in den Kellergängen nur mit halterlosen Strümpfen, Schuhen und einem Fächer in der Hand bekleidet, und konzentrierte mich auf meinen Ausdruck. Ja, ich hatte direkt Spaß an der Sache gefunden, entdeckte ich doch über die Aktaufnahmen mein abhanden gekommenes Körperbewußtsein neu.
Ilona stand vertieft hinter der Kamera und bemühte sich, die richtige Einstellung zu finden, als aus heiterem Himmel die Kellertüre aufgerissen wurde und eilige Schritte die Treppe herunter polterten, so überraschend, dass uns beiden keine Zeit zum Überlegen blieb. Ilona brauste auf mich zu mit dem Mantel, den sie für solche Fälle immer neben sich liegen hatte, und ich stürmte in wilder Flucht an ihr und dem hereinkommenden Hausbewohner vorbei, der entgeistert meinem nackten davonlaufenden Hintern nachkuckte. Ilona warf dem wie versteinert dastehenden Herrn ein freundlich lächelndes “Guten Tag!“ zu, als sei mein Nacktstehen in ihrem Keller, in den ich mich mittlerweile geflüchtet hatte, eine vollkommen alltägliche Situation.
Während ich mit zitternden Beinen und klopfendem Herzen auf dem Kellerboden saß, bemühte sich Ilona, ihr schallendes Gelächter zu dämpfen. “Ist doch halb so tragisch. Herr K. ist so ein netter Mensch, der bestimmt im Nachhinein die Situation genauso komisch finden wird.“Später erzählte sie mir, dass sie einige Tage danach Herrn K. in der Stadt getroffen hatte, der ihr schon von weitem lachend zuwinkte. ... Petra
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ILONA
Die Verliebtheit traf mich wie ein Blitz völlig unerwartet. Ich war zur Kur, verliebt, und fieberte unserer ersten gemeinsamen Nacht entgegen. Nach jahrelanger Enthaltsamkeit war ich ziemlich aufgeregt und musste mir erst einmal Mut antrinken, was nicht lange dauert, da ich Alkohol nicht gewohnt bin und nach einem Glas Bier schon »einen im Schuh« habe.
Als ich dann mit klopfendem Herzen endlich neben ihm lag, hoffte ich inständig auf eine stürmische Liebesnacht. Doch der erwartete Orkan erwies sich als Flaute. Als klar war, was die Stunde geschlagen hatte, war ich mehr als geschockt. Schlagartig nüchtern machte ich mich hartnäckig ans Werk, um noch etwas bei ihm zu bewegen. Erst nachdem meine Hände und Arme lahm wurden, gab ich resigniert auf.
Er war sehr niedergeschlagen und meinte, es läge an den Tabletten (Antidepressiva), die er schon seit längerer Zeit einnehmen würde. Ich sagte ganz souverän: »Ist ja nicht so schlimm, macht ja nichts«, tröstete ihn wie die Mutter ihr Kind. Doch am liebsten hätte ich ihn in den Hintern getreten. Aber ich war ja mittlerweile im Laufe meiner langen Ehe zu einer wahren Meisterin der Selbstbefriedigung geworden!
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Aus Gründen der Zeitersparnis beschlossen wir, uns jeweils mit zwei Männern gleichzeitig zu treffen zusammen natürlich, versteht sich. Alleine waren wir zu feige.
Wir verteilten die Treffpunkte wie folgt: Karstadt-Haupteingang, Nebeneingang 1, Nebeneingang 2, Hintereingang. Wir hatten uns an einem Freitag für 20 Uhr (erste Staffel) und 20.30 Uhr (zweite Staffel) verabredet. Mit den Herren der ersten Staffel wollten wir zunächst ein kurzes Gespräch führen. Und wenn wir uns sympathisch waren, dann einen nächsten Termin ausmachen. Sollten sich die beiden als Flop herausstellen, würden wir uns mit einer Ausrede verabschieden. Auf jeden Fall musste um 20.30 Uhr geräumt sein für die Staffel Nr. 2.
Bei Karstadt angekommen, verließ uns schlagartig das bisschen Mut. Die zwei Männer der ersten Staffel standen schon pünktlich und ordentlich an ihren Plätzen. Von Weitem sahen sie recht nett aus. Jetzt hieß es nur noch hingehen und sie ansprechen. Petra und ich sahen uns an: »Gehst du zuerst?«, sagten wir beide gleichzeitig. Ich schüttelte den Kopf: »Nein, geh du zuerst!« Daraufhin Petra: »Da muss ich mir aber vorher noch ein bisschen Mut zusprechen. Lass uns doch noch einmal um den Häuserblock herumgehen.« Aus der einen Runde wurden zehn. Mittlerweile kam überpünktlich die zweite Staffel. Was nun? Klar, weiter um den Häuserblock spazieren, in der Hoffnung, dass sich alle vier Herren in Luft auflösen würden.
Ich sagte zu Petra: »Hör mal, das können wir nicht machen. Wenn wir die Jungs schon bestellen, müssen wir wenigstens kurz hingehen und mit ihnen reden.« Petra sah mich ernsthaft an und nickte: »Natürlich, du hast Recht.« Vorsichtig blickte sie um die Häuserecke und in ihren Augen entstand ein Strahlen. »Einer ist schon nicht mehr da.« Inständig hofften wir, dass auch die anderen drei noch schnell verschwinden würden.
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