Kostbare Grünbraunblau Gesprenkelte Sterne
Eine Liebeserklärung an den Körper

Lili Stollowsky
mit Werken von Jutta Schmitt
Kart., ISBN 978-3-938580-07-3/€ 14,90 (D)


Ebook ISBN 978-3-938580-27-1/€ 9,90 download
Leseprobe (PDF) kostenfrei
Unser Körper ist ein Wunder. Ein aus Abermilliarden von Zellen zusammengefügtes Wunder. Er ist unser bester Freund, der uns täglich begleitet und der Einzige, der uns bis zum Tod nie verlassen wird. Warum ihm nicht Liebe und Aufmerksamkeit schenken, einfach durch Hinhören – Lauschen – Zuwenden, mit einem Liebesgebet an die Augen, den linken kleinen Zeh und die synaptischen Endknöpfchen.

Lili Stollwosky, als Hebamme mit dem Wunder des Lebens und als Krankenschwester mit dem Mysterium des Todes vertraut, führt in ihrem humorvollen Anatomiebuch liebevoll erzählt durch die phantastische Funktionalität unseres Körpers, die uns oft so selbstverständlich geworden ist, und vermittelt dabei humorvoll ein medizinisches Verständnis vom komplexen Zusammenspiel der körpereigenen Systeme.
Inhaltsverzeichnis
Liebeserklärung an den Körper

Ein kleines Pünktchen auf dem Weg ins Leben

In der Körper-Stadt

Die komplexe Verwertungsgemeinschaft

Das Königreich der Hormone

Sinneszellen – Rezeptoren des Glücks

Ein tragendes Gerüst

Vernetzte Systeme von Denken und Fühlen

Das Fein-Stoffliche von großem Gewicht

Auszug

Frauen sind mehr emotional. Sie mögen kleine Babys, haben Angst im Dunklen und reden ununterbrochen. Frauen sind Tiefbauingenieurin, Astronautin oder gewinnen den Nobelpreis. Manche wandern sogar monatelang allein durch die Wüste. Frauen sind eben unterschiedlich veranlagte Menschen. Das ist alles. Sie haben weibliche Geschlechtsorgane und werden von weiblichen Hormonen gesteuert. Das ist der einzige kleine Unterschied. Der Rest ist nur anerzogen und abhängig vom jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld, in dem die einzelne Frau aufwächst und lebt. Aus der undifferenzierten Geschlechtsknospe eines Embryos entwickeln sich schnell differenzierte Geschlechtsorgane. Bei der Geburt ist das Mädchen eindeutig ein Mädchen. In ihren Eierstöcken, den Ovarien, liegen schon 400.000 Ur-Eizellen bereit.

Nach der Entwicklung zur Geschlechtsreife, der Pubertät, verwandelt sich jeden Monat eine dieser Ur-Eizellen in eine befruchtungsfähige Eizelle. Dieser Follikel drängt sich an die Oberfläche des Eierstocks, springt in der Mitte des Menstruationszyklus in den Eileiter und wartet dort auf Besuch der Samenzellen. Die Eileiter sind bleistiftdünne Kanälchen, die jeweils einen Eierstock mit dem Uterus, der Gebärmutter, verbinden. Der Follikel sendet hormonelle Signale in das Gehirn und stimuliert dadurch die Gebärmutter, ihre Schleimhaut zu einem weichen Nest aufzupolstern. Der beim Eisprung im Ovar zurückgebliebene so genannte Gelbkörper, sendet ebenfalls hormonelle Signale in das Gehirn und stimuliert die Gebärmutterdrüsen, Sekrete abzusondern. Die beiden Hormone sind das bekannte Östrogen und Gestagen. Ist nach mehreren Tagen keine Befruchtung erfolgt, sinken diese Hormone wieder ab und die Schleimhaut der Gebärmutter wird samt der unbefruchteten Eizelle durch die Menstruation hinausbefördert.

Dreißig bis vierzig Jahre ihres Lebens unterliegen alle Frauen diesem Zyklus. Eisprung, Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, Vorbereitung und Warten auf eine Schwangerschaft, Abbau der Schleimhaut und Blutung. Nichts Geheimnisvolles. Nur der Lauf der Natur. Bricht sich dieser Lauf der Natur allerdings Bahn und wird die Eizelle befruchtet, steigern die Hormone rasant ihre Produktion und sorgen dafür, dass das werdende Leben sicheren Schutz erhält. Die Durchblutung der Gebärmutter und der äußeren Genitalien, der Vagina und der Labien, der großen und kleinen Schamlippen, wird verstärkt. Die Brüste wachsen. Der Uterus, ein birnenförmiges Hohlorgan, dehnt sich bis zum Ende der Schwangerschaft auf das 20-fache seiner ursprünglichen Größe aus. Seine Muskelfasern schieben unter der Geburt das Kind durch die Vagina, die Scheide, nach außen. Unter dem Einfluss von Prolaktin, einem milchbildenden Hormon, produzieren die Brüste Nahrung für das Neugeborene.

Die Brust besteht aus Fett, Bindegewebe und milchbildenden Drüsen. Durch das Liebeshormon Oxytocin wird die Milch dann reflexartig freigegeben. Das Oxytocin ist aber auch Urheber des sexuellen Begehrens. Winzige Drüsen befeuchten den Eingang der Scheide und das Schwellkörpergewebe der Klitoris signalisiert mit seinen hochsensiblen Nervenenden Lust nach sexueller Vereinigung mit einem Mann. Vielleicht macht sich gerade im Moment wieder eine der Ur-Eizellen zum Sprung bereit. Frauen mögen einfach kleine Babys und können heutzutage gleichzeitig Nobelpreisträgerinnen sein.


Wunderbarer Körper einer Frau
Geschmeidige Rundung der Hüften
duftig seidiges Haar
und ein Korallenmund
Samtige Haut
mit weichen Brüsten
schutzspendend und sanft
gebettet am ewigen Puls des Lebens
Waagrecht liegendes Schamdreieck
verlockend auf einem Hügel gelegen
Die Vagina
die Rosenblättrige
wie sie duftet
und wie viel Lust sie schenkt
Die Klitoris
Perle
der endlosen Ekstase
in den Venuslippen versteckt
Die Gebärmutter
der Kopf eines Stieres mit Hörnern
Der Zyklus
rhythmisch
wie die Jahreszeiten der Welt
Die Fähigkeit
Leben zu schenken
Der Bauch rundet sich
und sinkt tiefer zur Erde
Die Geburt
ehrfurchtgebietend
bahnt sich ein neuer Mensch seinen Weg
und die Brüste
werden zum Land
in dem Milch und Honig fließen
Wunderbarer Körper einer Frau