Rubinrote Zeit - Beginn der Menstruation

"Erinnerst du dich ..." Frauen im Alter von 19 bis 90 erzählen

Gesammelt und herausgegeben von Julia Becket

Kart.; 70 Seiten
ISBN 978-3-938580-09-7 / € 14,90 (D)

Leseprobe (PDF) kostenfrei

"... ich wünsche dir, dass du mit deiner beginnenden Blutung mehr und mehr dein Leben als etwas Fließendes und Kraftvolles verstehen lernst und stolz darauf bist damit beschenkt - und eine Frau zu sein."

Ursprünglich zur Initiation ihrer eigenen Tochter gedacht, hat Julia Becket mehr als 30 Frauen erzählen lassen, wie es war, als sie zum ersten Mal bluteten. Daraus entstand eine Sammlung lebendiger Erinnerungen aus vier Frauengenerationen an die Zeit der ersten Regel. Sehr persönliche Bekenntnisse zum Frauwerden, die von dem sich wandelnden Selbstverständnis während der vergangenen acht Jahrzehnte erzählen und darüber, wie frau sich behalf, bevor der Tampon und der Begriff „Damenhygiene“ erfunden waren.
Inhaltsverzeichnis Einstimmung in die Rubinrote Zeit

Erinnerst du dich ...

EIN TELEFONGESPRÄCH
Christine, 96 Jahre
WIRSTE JETZT ALLE VIER WOCHEN HABEN
Frau Dr. T., 88 Jahre
»MIR IST'S NICHT GUT«
Frau R., 70 Jahre
EIN SCHIFFCHEN AUS STOFF
Barbara, 60 Jahre
WARME HERZLICHE GRÜßE
Ellen, 50 Jahre
EIN KLEINES GEHEIMNIS
Franziska, 43 Jahre
ZWEI WÜNSCHE FÜR ALLE NACHFOLGENDEN JUNGEN FRAUEN
Barbara, 43 Jahre
DIE ZEIT DES BLUTENS IST DIE ZEIT DER KÖRPER-MAGIE
Brigitta Maria, 41 Jahre
MEIN ZYKLUS, MEIN RHYTHMUS
Brunhild, 41 Jahre
HILFE, ICH BLUTE AUS MEINEM BAUCH HERAUS!
Barbara, 40 Jahre
»SPÄTZÜNDERIN«
Ulrike, 40 Jahre
MEINE ÜBERGANGSZEIT
Inga, 41 Jahre

WIE ALLES ZUSAMMENGEHÖRT
Ulrike, 39 Jahre
ES BEGANN IN DEN SOMMERFERIEN
Julia, 38 Jahre
»LEIDENSGENOSSINNEN«
Petra, 38 Jahre
»IHR SÄCHLE«
Sarah, 38 Jahre
ICH ARBEITE DARAN…
Belgin, 38 Jahre
ICH WÜNSCHE DIR, DASS DU MIT DEINER BEGINNENDEN BLUTUNG…
Christina, 37 Jahre
NACH DER ENERGIE DES FEUERS SEHNE ICH MICH
Katharina, fast 37 Jahre
DER BLUT-KREISLAUF
Silay, 36 Jahre
MEIN FAST ERSTES MAL
Monika, 35 Jahre
ALLES FLIEßT
Geli, 32 Jahre
ÜBER DEN BEGINN MEINER TAGE UND EIN PAAR BEGEBENHEITEN
Elena, 19 Jahre
ENDLICH!
Swantje, 18 Jahre
ICH HABE MEINE TAGE
Lily, 17 Jahre
DIENSTAGS, NOCH VOR DER SCHULE
Pia, 15 Jahre

Das Ritual

Auszug

... Ich wusste nicht wirklich Bescheid, es war unausgesprochen, und das war für mich auch ziemlich schwierig … Ganz lang … habe ich ziemlich Schmerzen gehabt. Mir wurde es schlecht, und ich war einen Tag lang nicht ansprechbar, war halt irgendwie wie weggetreten

… Die Übelkeit und die Schmerzen, das war dann so, da hab ich dann drauf gehen können: also heute kommt sie noch - die Periode. Ich habe dann meistens eine Tablette genommen, wenn ich es kaum ausgehalten habe, dann eine Weile tief und fest geschlafen, und dann wars gut. Es war … besser, wenn es richtig rausgelaufen ist. Ich habe eine ziemlich starke Periode gehabt, und ich habe sie oft 6 bis 7 Tage lang gehabt. Die langen Tage mit der argen Blutung haben mich oft geschlaucht.…

Es gab nichts, was ich an der Periode gemocht habe, für mich war es schon lästig. Als ich dann schwanger war, da war es dann nachher vorbei. Bei vielen ist es nicht so, aber ich habe es so empfunden, ich habe tatsächlich während der Periode dann keine Schmerzen mehr gehabt. Bei mir war es dann bloß immer unregelmäßig, mal waren es 30 Tage, dann 32, dann waren es wieder weniger ... Also ich hatte praktisch keine so richtige Kontrolle…
Wenn ich mit meinen Freundinnen darüber gesprochen habe, dann haben wir es »Periode« genannt oder »meine Tage« hat man auch oft gesagt. Und wenn man ganz schüchtern war, dann: »Mir ist's nicht gut«…

Von meinen Töchtern habe ich das auch ziemlich weggehalten. Die haben ja immer das Bravo-Heftchen gehabt. Da habe ich dann auch mitgeblättert und da ist das ja auch beschrieben gewesen. Und ich hab es dann auch gemerkt, wenn es losgegangen ist, weil beide Schmerzen hatten, grad, wenn sie ihre Tage gekriegt haben. Ich kann mich tatsächlich nicht mehr so erinnern, ob sie mich gefragt haben.
Frau R., 70 Jahre

... Es war um Wintersonnwende 1975, ich wollte ins katholische Gemeindezentrum zur Weihnachtsfeier für Kinder und Jugendliche. Statt mich auf die Feier zu freuen, schmerzte mein Unterleib. Krämpfe erschütterten meinen Körper. Ich blutete zum ersten Mal. So hatte ich es mir nicht vorgestellt. Seit einigen Monaten war ich immer zu meiner Mutter gelaufen, wenn in meinem Urin etwas Rotes war. Doch meine Mutter meinte nur, das kommt von den roten Rüben. Nun bekam ich den Tipp, mich mit einer Wärmeflasche hinzulegen oder meine Tante meinte, Schnaps würde auch helfen.

Verspätet machte ich mich dann doch noch auf den Weg zur Feier mit einem neuen Körpergefühl. Drei Monate später hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit, mit anderen LeichtathletInnen aus dem Verein in die Sauna zu gehen. Gerade da blutete ich wieder. Meine Mutter meinte, da gibt es so Tampons, meine Schwester solle mir zeigen, wie ich sie benutzen kann. Ich hatte dieses harte Watteteil in meiner Hand und konnte mir nicht vorstellen, wo ich damit hin sollte. Meine Schwester hatte mir wohl irgendwas erklärt, doch ich verstand es nicht. Ich rannte wieder zu Mutter. Ein Loch sollte es da unten geben. Ich fand es nicht. Hatte ich überhaupt eines?
Nachdem ich mich an die Tampons gewöhnt hatte, fand ich sie eine feine Sache. Ich konnte damit schwimmen, laufen und sie hielten ganz gut dicht. ...

Wieder fast ein Jahrzehnt später, als ich die Tampons gegen das Schwämmchen austauschte, entwickelte ich ein neues Gespür für mein eigenes Blut. Plötzlich hatte ich alle 3 1/2 Wochen mein Blut an und in den Händen. Beim Auswaschen des Schwämmchens rann es mir zwischen den Fingern hindurch und ich spürte die Wärme meiner Vulva noch im Blut. Da entdeckte ich meine Lust, mit meinem Blut schöpferisch zu sein.…
Brigitta Maria, 41 Jahre

Die Herausgeberin und Mitautorin Julia Becket, Jahrgang 1965, absolvierte nach einem Grund-Studium in Theologie, Romanistik und Sozialwissenschaften eine Hebammenausbildung und war zunächst als freiberufliche und angestellte Hebamme im Ruhrgebiet tätig. Heute lebt und arbeit sie gemeinsam mit ihrer Tochter im schwäbischen Raum.

Beginn der Menstruation - Ein Grund zum feiern! Eine Anleitung für Mütter und Töchter (PDF)