RÄUME IM KOPF
Lyrik von Anna Lougién
mit Bildern von Ilona Weinberger

ISBN 978-3-9809069-5-1
Ebook € 12,90 download

Inhaltsverzeichnis
  • Entdeckung
  • Die Beredsamkeit des Schweigens
  • Treibgut
  • Spiegelbild
  • Innenansicht
  • Denkmodell
  • Reflexion
  • Der Schmetterling, dessen Flügelschlag den Orkan auslöst ...
  • Dialog mit einem Tenorsaxophon
  • Konfrontation
  • Halbwesen
  • Brief an Luna
  • Wesentlichkeit
  • Fundstücke
  • Auf den Weg gebracht
  • Warten
  • Unschärfe-Relationen
  • Verwerfungen
  • Rettungsversuch
  • Drei Schritte vom Abgrund
  • Nichts von Bedeutung
  • Gegen die Logik des kurzen Gedächtnisses
  • Schattenvögel
  • Gefühle wir hinter Glas
  • Demaskierung
  • Rückzug
Auszug
HALBWESEN

Freie Gestalt von schemenhafter Kontur
Die durch die Berührung warmer Hände zerfließt.

Wüstenzauberin
Die im sirrenden Flimmern des weißen Lichts
erzählt
Mit sprachlosen Tönen
Von der Kühle der Zeit

Gedankenräuberin in Ali Babas Gewand
Geschützt von flüchtig gemalten Schatten im Sand

Mondsüchtige
die im kalten Glitzern nachtschwarzer Wasser
tanzt
mit glattem Kindergesicht

auf sich kräuselnder Oberfläche.

Sinnwandlerin im verlässlichen Lauf der Gezeiten
verborgen hinter sanftem Wellengesang.

Freie Gestalt von schemenhafter Kontur
Die sich verzaubert in ihrem Lächeln wiegt.

Dialog mit einem Tenorsaxophon

Wenn deine Stimme mich berührt
Klangfolgen sich zu Körpern formen
zeitlos
wird der Kopf ein weiter freier Raum
erwartungslos
– und ich lass es einfach geschehen.

Wenn du mit mir sprichst

in der nur dir eigenen Sprache
wird die Verschiedenheit unserer Zweisprachigkeit
sprachlos
versunken in der kratzenden Sehnsucht deiner Heißerkeit
wortlos
- und ich lass es einfach geschehen.

Wenn die Sanftheit deiner Stimme
unter meine Haut zieht
bin ich entführt
forderungslos
finde mich wieder in noch nicht gelebten Gefühlen
Ichlos
- und ich lass es einfach geschehen.

Beunruhigend!

NICHTS VON BEDEUTUNG

Du sagst, dass du gehst –
Für immer
Ich frage
„wohin?“
Die Tür fällt ins Schloss
Mit metallischem Klicken.

Leere breitet sich aus
Legt sich auf die Gedanken
Schwer wie nasse Watte.

Das metallische Klicken der Tür
Hallt in meinem Körper
Als hohles Echo
In einem tönernen Gefäß.

Zeit träufelt auf meinen Nacken
Eine kalt leckende Zunge
Den Rücken entlang.

Alles hat sich verändert -
Obwohl nichts von Bedeutung geschah.

Denkmodell

Der Tod ist wie die Liebe,
Die Liebe ist der Tod.
Der Tod des Ichs.

Die Liebe ist Stille.
In der Stille schweigen.
Die vollkommene Stille des Todes.

Der Tod ist das Schweigen.
Das Schweigen in der Stille.
In der Stille des Liebens.

Die Liebe ist Sein.
Das Sein im Tod.

Im Tod des Liebens sein.

TREIBGUT

Gestrandet neben Dir
Im rauen Kiesbett des Zufalls
Umgeben von kühlendem Wasser
Dass der Berührung Deiner Haut gleicht.

Wir haben uns viel zu sagen
Ohne zu reden
In der ungestörten Einsamkeit
sanften Wellenschlagens
uns in den Augen des anderen wiegend.