Mein wunderschöner Schutzengel
Als Nellys Mama Krebs bekam


Eine Erzählung für Mütter und Kinder

Kerstin Hermelink
Brustkrebs Deutschland e.V. (Hrsg.)
3. Auflage, 2010 ab Herbst 2010


Kart. mit. farb. Illustrationen von Eckhard Hundt
ISBN 978-3-938580-20-2 / € 12,90 (D)

Ebook ISBN 978-3-938580-33-2/€ 12,90
Leseprobe (PDF) kostenfrei
An Nellys siebtem Geburtstag fehlen die Marzipantiere auf der Torte. Mama schläft einfach weiter ohne zu gratulieren, und Papa macht ein trauriges Gesicht. In der Nacht sieht Nelly ihre Mama weinen. Nellys Mama hat erfahren, dass sie Krebs hat. Für die Familie beginnt eine Zeit der Veränderung, in der Nelly Trauriges und Irritierendes, aber auch aufregend Neues erlebt. Sie erfährt, dass sie sich auf die Zuneigung und Aufrichtigkeit der Eltern verlassen kann und dass ihre Beziehungen innerhalb und außerhalb der Familie sicher und tragfähig sind. Ein Jahr später hat Nelly ein Stück ihrer heilen Welt verloren und doch großes Vertrauen und Zuversicht dazugewonnen.

Allein in Deutschland erkranken jährlich fast 50.000 Frauen an Brustkrebs – viele davon in einem Alter, in dem ihre Kinder noch klein sind. Mein wunderschöner Schutzengel soll den betroffenen Müttern und Kindern helfen, die Krebserkrankung nicht als überwältigendes Trauma zu sehen. Erzählt wird die Konfrontation mit der Krankheit als ein Abenteuer, das mit Mut und Phantasie von Eltern und Kindern gemeinsam bestanden werden kann.
Inhaltsverzeichnis

Nelly wird sieben

Mama ist krank

Nelly hat Sorgen

Die Geschichte vom Süßen Brei

Mein wunderschöner Schutzengel

Weihnachten

Schlittschuhlaufen mit Papa

Die Marzipantiere sind zurück

Nachwort
Auszug

...Später stand ich mit Papa in der Küche. Er bereitete Käsetoasts für unser Abendessen vor. Ich wollte noch etwas wissen.
Papa, was ist das eigentlich, der Krebs?“, fragte ich.
Hhm“, machte Papa nur. Ich versuchte es noch einmal:
Papa, ist das etwas Böses? Wie ein böses Tier, das jetzt in Mama wohnt?“
Nein“, meinte er da ganz entschieden. „Kennst du das Märchen vom süßen Brei?“
Ich kannte es nicht, und während Papa die Tomaten in dicke Scheiben schnitt, fing er an zu erzählen:

„Es war einmal ein Kind, das bekam einen Topf geschenkt. Wann immer man zu dem Topf sagte: „Töpfchen, koche!“, kochte der Topf süßen Brei, soviel man nur essen wollte. Eines Tages kam die Mutter des Kindes nach Hause und hatte Hunger. Sie sagte zum Topf: „Töpfchen, koche!“, und schon begann der Topf, süßen Brei zu kochen. Die Frau aß, bis sie satt war, und nun sollte der Topf wieder aufhören – aber die Frau hatte das Zauberwort vergessen, das den Topf zum Stehen brachte! Da kochte der Topf immer weiter, der süße Brei quoll auf den Herd und in die ganze Küche und schließlich zum Fenster hinaus auf die Straße und sogar in die anderen Häuser hinein und wurde immer mehr. Endlich kam das Kind nach Hause und sagte: „Töpfchen, steh!“ Das war das Zauberwort und der Topf hörte auf zu kochen. Aber die Leute, die in ihre Häuser wollten, mussten sich erstmal zu ihren Haustüren durchessen.“

Papa warf mir einen fragenden Blick zu. Ich hatte verstanden, was er mir sagen wollte.
Und mit dem Krebs ist es wie mit dem süßen Brei, er wird immer mehr?“
Genau“, bestätigte Papa. „Der Krebs ist eigentlich nichts Schlechtes. Das ist eigentlich einfach Körpergewebe. Nur kann es nicht aufhören zu wachsen und mehr zu werden. Und wenn überall Krebsgewebe ist, dann können die Organe im Körper schließlich nicht mehr arbeiten.“
Papa, kennen die Ärzte das Zauberwort?“

Die Autorin Kerstin Hermelink, Dipl.-Psychologin und Psychoonkologin an der Frauenklinik Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München, betreut Krebspatientinnen, darunter auch Mütter mit kleinen Kindern. Wie man Geschichten erzählt, hat sie durch ihre langjährige Mitarbeit als Regieassistentin bei zahlreichen nationalen und internationalen Spielfilmen renommierter Künstler gelernt und von den vielen Büchern, die sie ihren drei Kindern vorgelesen hat