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kurz & kritisch frauengesundheit

Gebärmutterentfernung
Myome: Noch immer wird zu oft operiert!

Manche Frauen, die wegen Myome in die Beratung kommen, haben von ihrem Arzt/ihrer Ärztin eine Aussage im Sinne von "da machen wir die Gebärmutter raus, das ist keine große Sache, und dann haben Sie Ruhe", gehört, ohne dass weitere Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Nicht selten werden dabei von ärztlicher Seite abwertende Begriffe für die Gebärmutter verwendet. Oder die Größe eines Myoms wird nicht in Zentimetern, sondern mit Vergleichen benannt, die mehr als unpassend sind ("... groß wie eine Männerfaust"). Welche Frau möchte schon eine Männerfaust in ihrer Gebärmutter haben.
Karin schönig, FGZ München e.V.

Betroffene Frauen, die sich nicht ausreichend von ihrem Frauenarzt oder -ärztin über die Behandlungsoptionen aufgeklärt fühlen, können sich einschlägige Informationen und Beratung bei den
Frauengesundheitszentren holen.

 

Gebärmutterentfernung erhöht Risiko von Herz- Kreislauferkrankungen - 25.07.2011

Die Gebärmutter ist mehr als ein Reproduktionsorgan. Dennoch werden in Deutschland fast 90 Prozent der Gebärmutterentfernungen aufgrund gutartiger Erkrankungen vorgenommen, und vor allem bei Myom-Befunden oder starken Monatsblutungen wird oft vorschnell zur Organentfernung geraten. So weisen für 2008 die statistischen Daten der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) 125.233 durchgeführte Hysterektomien bei gutartigen Erkrankungen aus. Davon alleine 101.000 aufgrund von Myomen oder Blutungsstörungen. In 17.508 Fällen* waren starke Blutungen bei regelmäßigem Zyklus, und in 9500 Fällen* unregelmäßiger Zyklus als Grund für eine Hysterektomie angegeben (* Entlassungsdiagnose).


Welche Größenordnung hinter diesen statistischen Werten steckt, wird bei einem Blick über die Landesgrenzen nach Großbritannien verständlich: Dort wurden im gleichen Zeitraum insgesamt nur 37.000 Hysterektomien für alle Indikationen durchgeführt. Denn dort müssen nach einer Leitlinie alle Frauen mit Myombeschwerden über sämtliche Behandlungsoptionen aufgeklärt werden. In Deutschland fehlen diese Leitlinien bislang, und so belegen die Zahlen, wie defizitär die Aufklärung und Beratung hierzulande ist, obwohl sich sowohl bei Myomen als auch Blutungsstörungen längst zahlreiche gebärmuttererhaltende Operationsmethoden (Myomabtragung, -enukleation -embolisation und MRgFUS-Methode sowie Endometriumablation bei Blutungsstörungen) bewährt haben, wie Professor Gerlinde Debus, Chefärztin an der Amper-Frauenklinik Dachau, in ihrer medizinischen Entscheidungshilfe für betroffene Frauen, ausführt.

Neben den Beschwerden durch Verwachsungen und der Harninkontinenz als häufig auftretende Folgen einer Hysterektomie, verweisen neuere umfangreiche Studien aus Schweden und den USA auch auf erhebliche gesundheitliche Langzeitrisiken.


Zwar wurde schon lange vermutet, dass die von der Gebärmutter produzierten Gewebshormone, die die Kontraktionsfähigkeit der Gebärmutter steuern und auch das seelische Empfinden beeinflussen können, sich auf Herz und Gefäße auswirken. Nun hat sich in den Studien gezeigt, dass das Risiko von Herz- Kreislauferkrankungen und Schlaganfällen bei Frauen um 40 Prozent erhöht war, wenn ihnen vor dem 50. Lebensjahr die Gebärmutter und die Eierstöcke entfernt wurden. Bei einer entfernten Gebärmutter, bei der die Eierstöcke erhalten blieben, stieg die Wahrscheinlichkeit immer noch um fast 20 Prozent (European Heart Journal 24.12.2010).

Betroffene Frauen erleben die Entfernung ihrer Gebärmutter sehr unterschiedlich. Während manche Frauen den – vorausgesetzt medizinisch notwendigen – Eingriff als für sie richtig empfinden und sehr gut damit leben, nehmen andere Frauen die Entfernung als Verlust des Zentrums ihrer Weiblichkeit, des Heil- und Ganzseins wahr. Nach den Erfahrungen von Professor Debus zeigt die Praxis, dass die Zufriedenheit der Patientinnen mit der Behandlungssituation zunimmt, je umfassender die Betroffenen Kenntnis über die indiv
iduellen Faktoren haben (Debus, Gerlinde; Gebärmutterentfernung?! Organerhaltende Operationsmethoden bei Erkrankungen der Gebärmutter)

 

Hysterektomie: Statistische Daten 2007 - 06.10.2008

Nach dem Ergebnisbericht der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) wurden in 2007 insgesamt 142.385 Gebärmutterentfernungen vorgenommen. Davon 129.430 Hysterektomien aufgrund benigner (gutartiger) Erkrankung des Uterus. 86.476 Organentfernungen entfallen auf Myom-Befunde und mehr als sechzehnhundert auf eine Dysplasie. Betroffen waren mit fast 50% Frauen im Alter zwischen 40 und 49 Jahren.

Trotz leicht rückläufiger Tendenz im Vergleich zu Vorjahren, immer noch eine erschreckend hohe Zahl von Hysterektomien, die vor allem im Hinblick auf die inzwischen vorhandenen organerhaltenden Behandlungsalternativen bei Myomen und einer Dysplasie vielfach unnötig sind.
Und auch bei der Behandlung einer Endometriose plädieren Endometriose-Spezialisten und -Spezialistinnen mehr und mehr für schonende organerhaltende chirurgische Eingriffe in Kombination mit nichtoperativen Therapieformen.


"Vor Risiken und Nebenwirkungen bei Betreten der Praxis wird gewarnt"
Über die unseriösen Methoden mancher Gynäkologen


In unserem Gesundheitssystem wird der Gang zum Frauenarzt zunehmend zu einer Art unkalkulierbarem Risiko, bei dem Frauen sich immer häufiger die Frage stellen müssen: Wie finde ich eine/n Gynäkologen/-in, der oder die mich nicht aus rein wirtschaftlichen Interessen "krank" diagnostiziert. Gemeint ist damit die gezielte Falschdiagnose, die gestellt wird, um mehr Leistungen zu verrechnen.

Die Gynäkologie ist primär ein chirurgisches Fach. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, wenn die operativen Therapien medizinisch notwendig sind. Aber manche Frauenarztpraxen schrecken nicht davor zurück, den Bedarf künstlich zu erzeugen, und damit die Auslastung der eigenen Belegbetten zu verbessern oder an mehr lukrativere ambulante Eingriffe zu kommen. Sind Myom-, Karzinom insitu-Fälle etc. nicht in gewünschter Anzahl vorhanden, werden diese einfach diagnostisch erfunden, um die operativen Behandlungen durchführen zu können. Und das selbst bei völlig gesunden Patientinnen, wie zahlreichen Schilderungen betroffener Frauen berichten, die uns in den letzten zwei Jahren gehäuft erreichen.

Zwar ist durch den steigenden Kostendruck im Gesundheitswesen dieser Tatbestand sicher nicht nur in gynäkologische Praxen zu finden, scheint aber hier besonders ausgeprägt zu sein. Denn den Behandlern wird es all zu leicht gemacht. Und sie können auf das Schweigen der Betroffenen bauen, weil Frauen vielfach "mit dem da untern" möglichst wenig zu tun haben wollen und es ihnen peinlich ist, öffentlich über den "medizinischen Zustand" ihrer Vagina, Gebärmutter und Eierstöcke zu sprechen.

Die Methoden, mit denen Patientinnen dabei hinters Licht geführt werden, sind unspektakulär einfach aber sehr erfolgreich und risikoarm. Denn aufgedeckt werden diese Tatbestände der "Körperverletzung" nur, wenn sie noch nicht ausgeführt wurden. Dann, wenn die Betroffene vor einem operativen Eingriff einen zweiten seriösen Gynäkologen konsultiert. Diese versuchte Körperverletzung bleibt juristisch meist ohne Folgen, wie die nachfolgend veröffentlichten Erfahrungen beispielhaft zeigen. Und die Frauen, denen ein Karzinom entfernt wurde, das sie gar nicht hatten, sind verständlicherweise auch noch dankbar, der Bedrohung Krebs so vermeintlich glimpflich entgangen zu sein.

Und so wäre am Eingang mancher Praxis der Hinweis angebracht: Vor Risiken und Nebenwirkungen bei Betreten wird gewarnt!

Bedauerliche Einzelfälle? Ausnahme-Randerscheinung? Vielleicht! Aber in jedem Fall gefährliche Auswüchse mit steigender Tendenz, die das Vertrauen der Patientinnen verspielen. Mit fatalen Folgen - nicht nur für Patientinnen. Denn die Verunsicherung wächst und das Misstrauen wird zum Generalverdacht, bei dem die Gynäkologie mehr und mehr ihre Glaubwürdigkeit verliert.

Diametric Verlag

Auszüge:

... Nach einer Krebsvorsorgeuntersuchung eröffnete mir der niedergelassene Frauenarzt, dass ich ein Zervixkarzinom C4 habe und - sollte ich mich nicht zu einer sofortigen Operation entscheiden - bei diesem fortgeschrittenen Stadium noch maximal 2 Jahre zu leben hätte. Den Schock und die Panik, die diese Nachricht in mir ausgelöst haben, kann ich nicht beschreiben. Ich war wie paralysiert, unfähig auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, und willigte einem Operationstermin für den übernächsten Tag bei ihm in der Belegbettenklinik ein.
Als ich meinem Mann zu Hause völlig aufgelöst von dem Befund erzählte, rief er sofort einen befreundeten Gynäkologen an, der Chefarzt einer Universitäts-Frauenklinik war. Gleich am nächsten Tag hatte ich dort einen Untersuchungstermin. Ergebnis: Karzinom insitu, also noch keine Krebserkrankung, sondern auf die Schleimhaut begrenzte, stark veränderte Zellen, die mittels einer ambulanten Konisation entfernt wurden.
Meine Erleichterung war grenzenlos. Der befreundete Chefarzt hat anschließend Beschwerde gegen den niedergelassenen Kollegen bei der Ärztekammer eingereicht. Leider ist diese couragierte Haltung unter Mediziner dünn gesät.

Sabine M. (Name i. d. Redaktion bekannt)

 

Wegen einer leichten Infektion hatte ich einen Gynäkologen "um die Ecke" aufgesucht, weil dort sofort ein Termin verfügbar war. Was kann dabei schon schief gehen. Dachte ich!

Bereits im Gespräch versuchte dieser Arzt mir partout alle möglichen Behandlungen aufzudrängen: Hormontabletten gegen Wechseljahresbeschwerden - obwohl ich keine hatte; das komplette Rundum-Programm der Krebsvorsorge - die ich gar nicht wollte. Das war kein beratendes Anbieten, sondern ein drängendes Insistieren, und es war ziemlich mühsam, sich dagegen zu verwehren ohne unhöflich zu werden. Wie ein Verkaufsgespräch beim Gebrauchtwagenhändler: Was? Über 50 und noch keine Ausschabung gehabt? (Wo gibts denn so was). 3 Wochen später meldete sich dieser Gynäkologe telefonisch bei mir, um mich zu einer Vorsorgeuntersuchung zu überreden. Als Privatversicherte bin ich zwar mit der Geschäftstüchtigkeit einiger Ärzte ganz gut vertraut, aber diese Hartnäckigkeit war neu. Und er war sehr geschickt dabei. Schaffte er es doch in kürzester Zeit, mir ein schlechtes Gewissen einzureden, da ich seit Jahren zu keiner Vorsorge mehr war. Also marschierte ich 2 Tage später für eine Kolposkopie und einen Pap-Abstrich erneut in diese Praxis.

Kurz danach teilte mir der Gynäkologe telefonisch den Befund PAP II (keine Dysplasie) mit. Das war, wie er es nannte, die "gute Nachricht". Die schlechte sei, dass HPViren vorlägen und deshalb eine regelmäßige 3-monatige Kontrolluntersuchung erforderlich wäre. Ich bin sicher, er registrierte für wie völlig überzogen und unsinnig ich diese Maßnahme bei diesem Bescheid hielt. Da ich grundsätzlich immer auf eine schriftliche Bestätigung der Untersuchungsergebnisse bestehe, und zumal er den Befund in seinem eigenen zytologischen Labor erstellt hatte, sagte er mir zu, dass die Unterlagen in 14 Tagen zur Abholung bereit lägen. Gleichzeitig erkundigte er sich, ob ich beabsichtigte, eine zweite Meinung einzuholen, was ich verneinte - wozu auch. Als ich die Unterlagen wie vereinbart abholte, bestand dieser Arzt völlig unerwartet auf ein persönliches Gespräch, in dem er mir dann überfallartig und sehr heftig eröffnete, es läge eine schwere endozerviakale Dysplasie (CIN IV) vor, die umgehend operativ behandelt werden müsste, denn damit sei nicht zu spaßen. Ich bräuchte mir aber keine Sorgen zu machen, da dies ein reiner Routineeingriff sei und schlimmsten Falls die Entfernung der Gebärmutter erforderlich wäre. Da er gerade Belegbetten frei hätte, könnte er mir sofort einen Termin geben und ich sollte mich gleich entscheiden.

Über diese Dreistigkeit war ich in dem Moment so perplex, dass ich vergaß, wütend zu werden, sondern nur aufstand und ging.

Zwei anschließende unabhängige Kontrolluntersuchung in einer Dysplasie-Sprechstunde ergaben: PAP II - Keine Dysplasie. Und auch eine von ihm bereits bei der ersten Untersuchung diagnostizierte Zyste am Eierstock, die er schon zum damaligen Zeitpunkt operativ entfernen wollte, was ich kategorisch abgelehnt hatte, wurde bei keiner der Kontrolluntersuchungen bestätig.
Nachdem die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen vorlagen, habe ich langsam erst begriffen, welche Absicht hinter dem Vorgehen dieses Gynäkologen steckte. Und die Dreistigkeit mit der er gelogen hat. Denn der von ihm angegebene CIN-Wert kann anhand einens PAP-Abstriches gar nicht diagnostiziert werden. Es fällt mir immer noch schwer zu glauben, dass ein Arzt tatsächlich so unseriös handeln kann. Allein die Vorstellung, an wie vielen Frauen dieser Arzt womöglich schon unnötig herumgeschnippelt hat und noch wird, fand ich entsetzlich. Ich habe daraufhin meine Krankenversicherung über den Vorfall informiert, die (großes Lob an die Allianz PKV) gemeinsam mit mir gegen diesen Gynäkologen vorgegangen ist. Zwar nur ein "Warnschuss", aber die Alternative wäre eine langwierige sehr aufwendige gerichtliche Auseinandersetzung mit ungewissem Ausgang gewesen ...

Jutta W. (Name i. d. Redaktion bekannt)


... Mein langjähriger Frauenarzt (mit Belegbetten) diagnostizierte vor einigen Jahren ein Myom, das er operativ entfernen wollte. Da ich mich weigerte, bestellte er mich alle 6 Monate zu einer Kontrolluntersuchung. Bei einer dieser Kontrolluntersuchungen gab er an, dass das Myom gewachsen sei und - da ich nach wie vor eine Operation ablehnte - nun alle 3 Monate zur Kontrolle kommen müsste.

Ich bin darauf hin kurzfristig zu einer Gynäkologin gewechselt, die mir versicherte, dass kein Myom vorhanden ist. Auch die Untersuchung bei einem dritten Frauenarzt ergab das gleiche Resultat: Kein Myom.

Besonders schockiert hat mich der Umstand, dass ich eine langjährige Patientin dieses Gynäkologen war und zwei Kinder bei ihm entbunden habe. Mittlerweile gehe ich nur noch mit "in der Tasche geballter Faust" zum Arzt.

Sieglinde J. (Name i. d. Redaktion bekannt)

 

" Im Rahmen des Mammografie-Screenings wurde bei meiner Mutter (72 Jahre) durch den von ihrer Krankenkasse dafür empfohlenen Frauenarzt ein Mammakarzinom festgestellt.

In einem anschließenden Gespräch, bei dem ich anwesend war, legte dieser Arzt meiner Mutter eindringlich nahe, sich von ihm operieren zu lassen. Auf meine Nachfrage, was ihn denn für diese Behandlung qualifizieren würde, da hier doch wohl ein Brustzentrum die besseren Möglichkeiten bietet, antwortete er: "Was wollen Sie? Ihre Mutter ist über 70 und Kassenpatient!"

Monika S. (Name i. d. Redaktion bekannt)



Checkliste "Woran erkenne ich eine gute Arztpraxis"
Patienten-Serviceseite der Bundesärztekammer und Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Endometriose

Endometriose betroffene Frauen brauchen mehr Information und
eine verbesserte ganzheitliche Versorgung

Anlässlich der Europäischen Endometriose-Woche vom 3. bis 9. März fordert das Feministische FrauenGesundheitsZentrum e.V. Berlin die Versorgung und Unterstützung von Endometriose betroffenen Frauen umfassend zu verbessern. Eine besondere Verantwortung fällt dabei den niedergelassenen Gynäkologinnen und Gynäkologen zu, denn noch immer kann es bis zu zehn Jahren dauern, bis Frauen die richtige Diagnose erhalten.

Endometriose ist eine Kompelxerkrankung, die mit ihrem oft chronisch schmerzhaften Verlauf und den weitreichenden psychosozialen Folgen auf das Leben der betroffenen Frauen Einfluss nimmt. Daher ist eine ganzheitliche Sicht notwendig, die die Lebensqualität und nicht nur das "Funktionieren" berücksichtigt. Oft ist eine rein operative und medikamentöse Behandlung alleine nicht ausreichend, um langfristig einer chronischen Schmerzsymptomatik oder unerfülltem Kinderwunsch entgegenzuwirken. Nachhaltige Hilfe können dabei auch die komplementäre Medizin, psychotherapeutische und physiotherapeutische Verfahren sowie die Ernährung leisten. Denn von Endometriose Betroffene brauchen ein auf sie und ihre Beschwerden abgestimmtes Behandlungsprogramm.

Das Feministische FrauenGesundheitsZentrum e.V. Berlin wie auch andere Frauengesundheitszentren in Deutschland bieten dazu umfassende Beratungsangebote.
(FFGZ Berlin e.V. Pressemitteilung v.05.03.2008 )

Endometriose bei Teenagern - Erfahrungen aus der Selbsthilfearbeit

Zu den Mythen, die sich nach wie vor hartnäckig im medizinischen System aufrecht halten, gehört die Aussage, Endometriose trete erst bei Frauen ab dem 30. Lebensjahr auf. Diese Behauptung führt unter anderem zu der falschen Annahme, dass Endometriose bei Teenagern nicht in Erscheinung tritt, was leider nicht der Fall, wie sich in unserer 10-jährigen Beratungsarbeit zeigt. Viele Anfragen erreichen uns gerade von Müttern, deren Töchter erste Symptome oder eine Endometriose-Diagnose haben. Aber auch Endometriose-Erkrankte berichten, dass sie bereits seit ihrer frühesten Jugend starke Menstruationsschmerzen hatten. Diesen Beschwerden wird bis heute kaum Krankheitswert zugebilligt und den jungen Mädchen von ihrer Umgebung suggeriert, dass diese Schmerzen normal seien (Betroffene berichten).

In einigen Fällen wurden bei den Endometriose betroffenen Teenagern Eierstockzysten diagnostiziert, so dass die Betroffenen bereits früh von stark eingreifenden chirurgischen Therapien betroffen sind. Wie schwierig muss für sie zusätzlich zu den Schmerzzuständen, die Konfrontation mit einer möglichen Organentfernung (Eierstock) und damit verbundenen Fruchtbarkeitsstörungen sein?

In den USA wurden deshalb von der Endometriosis Association spezielle Informationsprogramme für Mädchen und junge Frauen aufgelegt, um ihnen durch gezielte Information diese Unsicherheiten und lange unnötige Leidenswege zu ersparen.
Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V
.

Mit dem Endo-Test auf der Seite der Europäischen Endometriose Liga (EEL) können Frauen erste Hinweise abklären, ob sie von einer Endometriose betroffen sein könnten. Die im Fragebogen eingegebenen Antworten werden vom Computer direkt ausgewertet und sofort eine Einschätzung abgegeben.
HPV- Impfung

Mit Kanonen auf Spatzen schießen? Die Ungereimtheiten der HPV-Impfung


Der Bundesverband der Frauengesundheitszentren und zahlreiche (Frauen-) Gesundheitsorganisationen sind alarmiert. Vor einem Jahr wurde der Impfstoff Gardasil® zugelassen - beworben als "Impfung gegen Krebs". Diese pauschalisierte Aussage ist irreführend und entspricht so nicht der Wahrheit, denn es gibt keine Impfung gegen Krebs. Richtig ist: Die Impfung wirkt präventiv gegen die Humanen Papilloma Viren (HPV) 6, 11, 16 und 18. Von diesen sind die Virustypen 16 und 18 nach heutigem Wissen für ca. 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen mitverantwortlich. Es gibt mindestens elf weitere HPV-Typen, die ebenfalls an der Entstehung dieses Krebses beteiligt sein können. Die Impfung bietet demzufolge keinen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs insgesamt. Zu befürchten ist, dass aufgrund dessen die Krebsfrüherkennungsuntersuchung, die weiterhin wichtig ist, weniger in Anspruch genommen wird. Auch besteht die Gefahr, dass die Benutzung von Kondomen zurückgeht, die einen großen Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen bieten.

Doch damit nicht genug. Auch die Deutung der Zahlen und die Verbindung zwischen HPV-Infektionen und Gebärmutterhalskrebs, mit denen die Impfung verkauft wird, werden nicht differenziert genug und damit nicht korrekt dargestellt. Es wird von der zweithäufigsten Krebserkrankung junger Frauen (15 - 44 Jahre) gesprochen - was stimmt - doch verschwiegen, dass in dieser Altergruppe Krebserkrankungen insgesamt höchst selten sind und von Gebärmutterhalskrebs eher ältere Frauen betroffen sind.

Die ImpfbefürworterInnen möchten alle Mädchen ab dem 13. Lebensjahr impfen. Man könnte meinen, dass es sich bei Gebärmutterhalskrebs um eine sehr häufige Erkrankung handelt. Dem ist aber nicht so. Nur 3,16% aller Krebsneuerkrankungen und 1,8 % aller Krebstodesfälle von Frauen in Deutschland gehen auf ihn zurück. Und diese wären auch ohne Impfung größtenteils vermeidbar gewesen. Zwar ist die Infektion mit HP-Viren häufig. Circa 80 % der Menschen haben sie im Laufe ihres Lebens - meist ohne sie zu bemerken, denn das Immunsystem macht sie unschädlich. 10% dieser Infektionen bleiben bestehen und können Zellveränderungen hervorrufen. Nur ca.1 bis 3% davon entwickeln sich über einen Zeitraum von 12 bis 15 Jahren zu einem Gebärmutterhalskrebs. Die Zellveränderungen (Dysplasien) sind bei der so genannten Krebsvorsorge mit dem Pap-Test meist gut zu erkennen und zu behandeln. Oft heilen sie von selbst aus.

Einen möglichen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs bietet die Impfung also nur einem kleinen Anteil betroffener junger Frauen. Belege, dass durch die Impfung die Rate an Gebärmutterhalskrebs wirklich gesenkt wird, gibt es bisher nicht. Wie auch – die zu Grunde liegenden Studien laufen erst seit fünf Jahren. Und so schnell entwickelt sich kein Krebs am Gebärmutterhals. Ob die Impfwirkung fünf Jahre oder länger anhält, weiß heute niemand. Unklar ist auch, ob andere HPV-Typen die Stelle der HPV 16 und 18 besetzen werden.

Würden sich alle Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 17 Jahren, wie von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen, nun impfen lassen, würde das im ersten Jahr über eine Milliarde Euro an Kosten für das deutsche Gesundheitssystem bedeuten. In jedem weiteren Jahr kämen ca. 200 Millionen dazu, wenn die jeweils zwölfjährigen Mädchen dann zur Impfung gingen. Zudem werden bereits jetzt Frauen, die älter als 17 Jahre sind, geimpft, ohne vorherigen Test darauf, ob sie bereits Kontakt mit HP-Viren hatten. Dies verursacht weitere Kosten. Der Nachweis eines Nutzens steht aus. Viele Milliarden Euro werden so investiert und fehlen an anderer Stelle. Es stellt sich die Frage, warum die Krankenkassen dies mitmachen.

Mehr Zeit und größere Sorgfalt für die Bewertung der neuen Impfung sowie Verhandlungen zur Preisreduktion (Deutschland: 465 €, USA ca. 280 €) wären dringend von Nöten gewesen. Die aggressive Propagierung einer Impfung, deren Nutzen überschätzt wird und deren Kosten immens sind, ist fragwürdig. Panikmache und Indoktrination, wie zurzeit betrieben, sind sicherlich keine guten Ratgeber. Wir fordern umfassende und unabhängige Informationen zur HPV-Impfung, eine Überprüfung der Zulassung und eine Verringerung der Kosten - im Interesse der Mädchen und Frauen.

Verbände: Ärzte für Individuelle Impfentscheidung e.V., Dr. S. Schmidt-Troschke, Vorstand Herdecke, Arbeitskreis Frauengesundheit e.V., Karin Bergdoll, 2. Vorsitzende, Berlin- Wilmersdorf
Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Eltern-Sein e.V., Astrid Draxler, Geschäftsleitung, München

FFGZ, Berlin e.V. Pressemitteilung

Die HPV-Impfung: Aktuelle Datenlage und Anforderungen an Information und Beratung, 2008 (PDF) von Pro familia-Bundesverband

Stellungnahme des AKF - Arbeitskreis Frauengesundheit e.V. zur HPV-Impfung (PDF)

HPV-Impfung: Nur eine Geld-Spritze?

Zurzeit wird diese Impfung sehr stark in den Medien und vielen Informationsmaterialien der Krankenkassen, Apotheken und gynäkologischen Praxen angepriesen und beworben. Dabei wird häufig suggeriert, dass eine Infektion mit humanen Papillomaviren die hauptsächliche Ursache für ein Zervixkarzinom sei. Deswegen ist, so die offizielle Leseart, eine umfassende Impfung aller jungen Mädchen gegen diese "Krebs-Viren" vor dem ersten Geschlechtsverkehr unabdingbar. Zusätzlich wird auch der Eindruck erweckt, Krebs sei quasi eine Art Seuche und es gäbe jetzt endlich eine Impfung gegen Krebserkrankungen.

Es ist jedoch schon mit Hilfe weniger Fakten und Einwände leicht möglich, diese offensichtlich einseitig konstruierten Aussagen und zu relativieren und zu entkräften.

In Deutschland liegt der gegenwärtige Anteil der Frauen innerhalb der Gesamtbevölkerung bei etwa 40 Millionen. Davon erkranken laut Statistik ca. 6500 bis 7000 Frauen jährlich an einem Gebärmutterhalskrebs, was in etwa einem Anteil entspricht, der weit unterhalb der Grenze von einer Promille liegt, also deutlich weniger als 0,1%. Obwohl nun statistisch gesehen, der größte Teil dieser 40 Millionen Frauen mindestens 1 x in ihrem Leben eine Infektionen mit HPV- Erregern durchmacht, erkrankt dabei tatsächlich nur ein Bruchteil an einem Zervixkarzinom.

Selbst wenn wir hierbei eine gewisse Fehlertoleranz oder statistische und demographische Schwankungen großzügig berücksichtigen, lässt sich rechnerisch aufzeigen, dass bislang auch schon ohne Impfung über 99% der Frauen in ihrem Leben nicht an einem Zervixkarzinom erkrankt sind! Trotzdem wird die Impfung gegenwärtig mit so einem Nachdruck empfohlen, als ob eine tödliche Seuche in den Unterleibern aller Frauen wütet und Geschlechtsverkehr eine sehr gefährliche Sache sei.

Auch lässt sich der diagnostische Nachweis oder eine manifeste Infektion mit HPV-Erregern keineswegs mit der zwangsläufigen Entstehung eines Zervixkarzinoms gleichsetzen. In vielen offiziellen Darstellungen und Werbeaussagen wird jedoch sehr einseitig und bequem die Entstehung eines so komplexen Krankheitsbildes auf die Existenz von relativ weit verbreiteten Viren abgewälzt und verabsolutiert.

Grundsätzlich trägt der Mensch viele unterschiedliche Erreger oder dessen Vorstufen in sich, und eine so genannte Infektion ist meist das Resultat einer Schwächung des inneren Milieus und des Immunsystems. Das Auftreten und die verstärkte Aktivität von Viren oder anderer Erreger ist also sehr häufig eine Begleiterscheinung oder die Folge einer schon bestehenden Erkrankung oder disharmonischer Reizzustände und nicht unbedingt ihre primäre Ursache.

Unter den humanen Papillomaviren (HPV) gibt es verschiedene Typen, die man aufgrund ihres viralen Potentials in drei Risikogruppen einteilt:

 
  • Low-Risk HPV-Typen: 6, 11, 42, 43, 44. Diese Gruppe erzeugt u. a. spitze Warzen und führt zu leichten und relativ ungefährlichen Zellveränderungen.
  • Intermediate-Risk HPV-Typen: 31, 33, 35, 51, 52, 59, 68. Diese Virustypen können mit allen Dysplasiegraden in Verbindung stehen, erzeugen aber meist kein Zervixkarzinom.
  • High-Risk HPV-Typen: 16, 18, 45, 56. Hierbei handelt es sich um die häufigsten onkogenen Typen, die meist in Verbindung mit einem lokalen Karzinom stehen können

Selbst wenn es innerhalb von viralen Erregergruppen durchaus unterschiedlich große Pathogenitätsgrade gibt, wie beispielsweise bei den so genannten High-Risk HPV-Typen 16, 18, 45 und 56, ist ein Virus doch nur ein relativ machtloser Erreger. Das Virus besitzt, im Vergleich zu Bakterien, grundsätzlich eine sehr eingeschränkte Vitalität. Es benötigt für seine Verbreitung notwendigerweise Zellen, die angreifbar und bereit sind, auf biochemischem Wege sein virales Programm zu übernehmen und immer weiter zu kopieren. Das Virus ist also darauf angewiesen, dass die Zellen seines Wirtes keine ausreichende immunologische Gegenwehr leisten können und damit seine Ausbreitung stören. Deswegen ist ein intaktes und von irritierenden Impfungen unbeeinflusstes Immunsystem noch immer die beste und wichtigste Voraussetzung, eine virale Infektion zu verhindern oder zu begrenzen.

Und auch wenn es nachweislich zu einer Infektion mit High-Risk HPV-Typen gekommen ist, so bedeutet dies nicht, automatisch an einem Unterleibskrebs zu erkranken, sondern ist nur ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko, dass sich Laufe von Jahren eine Wucherung im Gebärmutterhals entwickeln könnte, wobei noch viele weitere Faktoren eine Rolle dabei spielen. Darüber hinaus schützt die HPV- Impfung bislang nur vor einigen wenigen HPV-Typen.

Unabhängig vom vermeintlichen oder tatsächlichen Nutzen dieser Impfung, ist auch öffentliche Kritik an der überraschend schnellen Zulassung und Anwendung der Impfpräparate laut geworden. Unter anderem wird bemängelt, dass der notwendige Erprobungszeitraum für die Vakzine offensichtlich zu knapp bemessen ist und mögliche Nebenwirkungen und Risiken noch nicht ausreichend erfasst und dokumentiert wurden.

Tatsächlich gab es schon verschiedene Todesfälle, die im Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten sind. Dabei handelte es sich laut Pressemitteilungen in einem Fall um den plötzlichen Tod eines 17-jährigen Mädchens aus Deutschland, welche im Sommer 2007 nur einen Tag nach der zweiten Impfdosis aus bislang ungeklärten Gründen verstarb. Im Herbst 2007 verstarb eine 19-jährige Österreicherin drei Wochen nach der HPV- Impfung. In beiden Fällen sollen die Mädchen zum Zeitpunkt der Impfung nachweislich ohne gesundheitliche Probleme gewesen sein, sind aber nach offizieller Aussage an einem plötzlichen Herztod ungeklärter Ursache gestorben.

Auch in den USA wurde bislang über mindestens 8 Todesfälle berichtet, die in Verbindung mit der Impfung gebracht wurden. Dort haben sich verschiedene medizinische und juristische Fachkreise und Interessengruppen intensiver mit dem Risikopotential der HPV- Impfung auseinandergesetzt, sowie auch einige hundert Fälle von ernsthaften und schwerwiegenden Nebenwirkungen dokumentiert, um gegenüber der amerikanischen Zulassungsbehörde (FDA) entsprechende Konsequenzen einzufordern.

Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels wurde in Deutschland offiziell nach folgenden Empfehlungen und Richtlinien gehandelt: die HPV-Impfung soll möglichst bei jungen Mädchen noch vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen. Dabei werden in einem Zeitraum von 3 – 6 Monaten jeweils drei einzelne Injektionen verabreicht. Der angestrebte Impfschutz bezieht sich hierbei nur auf wenige HPV-Typen und ist abhängig von jeweiligem Impfpräparat. Es wird eine Auffrischung nach ca. 5 – 6 Jahren empfohlen, da es im Laufe der Zeit zur einer Reduzierung und Abschwächung der Impfwirkung gegenüber den jeweiligen HPV- Erregern kommt.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind mittlerweile verpflichtet worden, im Rahmen bestimmter Vorraussetzungen die Kosten für diese Impfung zu übernehmen. Durch persönliche Anfragen bei den Informations- und Servicestellen verschiedener gesetzlicher Krankenkassen ergab sich in diesem Punkt ein uneinheitliches Bild. Die meisten Kassen erstatten die Kosten, wenn die zu impfenden Mädchen zwischen 12 – 18 Jahre alt sind. Bei mindestens einem Versicherungsträger war diese Altersrahmen sogar von 12 – 26 Jahre erweitert. Die Kosten für die gesamte Impfung bewegen sich laut Auskunft der bis dato befragten Kassen zwischen 500 – 1500 Euro. Das ist gegenwärtig wohl die teuerste "Schutzimpfung", die jeder gesetzlich Versicherte indirekt mit seinen Beiträgen mitbezahlen muss! Geldmittel in Milliarden-Höhe, die an anderer Stelle fehlen werden. Ein zusätzlicher Grund, den tatsächlichen Nutzen dieser insgesamt doch sehr fragwürdigen Impfung äußerst kritisch und mit einem gesunden Misstrauen zu betrachten.

Trotzdem wird die Impfung von vielen Ärzten mit dem Argument, sie sei ein großer Gewinn für die moderne Medizin, nachdrücklich empfohlen. Fragt sich nur für wen?

Die Verantwortung für uns und unser Leben tragen wir immer selbst. Auch die Konsequenzen, wenn wir die Entscheidung darüber anderen überlassen. So gilt es immer wieder neu zu versuchen, bei uns zu bleiben und genau zu hinterfragen, was wirklich wichtig ist und uns nicht beirren lassen.
Peter Launhardt, Heilpraktiker, Berlin
Beitrag "Zervixdysplasie" PDF zum download

Wechseljahre
Alarmierend: Wechseljahreshormone fördern Brustkrebs, Eierstockkrebs und Bluthochdruck

19,4 % der invasiven Brustkrebserkrankungen lassen sich auf die Einnahme von Hormontherapien gegen Wechseljahresbeschwerden zurückführen, wie in der von der Deutschen Krebshilfe geförderten MARIE-Studie feststellt wurde. Das bedeutet, dass in Deutschland jährlich ca. 10.000 Frauen nur aufgrund der Hormoneinnahme an Brustkrebs erkranken (Ärzteblatt 4, 28.01.11). Eine ausgewertete Nachbeobachtung der WHI ergab darüber hinaus, dass die Einnahme einer Östrogen-Gestagen-Kombination nicht nur das Brustkrebsrisiko an sich erhöht, sondern auch das Forschreiten der Krebserkrankung forciert und so die Todesrate bei Brustkrebs erhöht.

Auch ein von der European Prospektive Investigation Into Cancer and Nutrition untersuchter Zusammenhang zwischen der Hormontherapie bei Wechseljahresbeschwerden und Eierstockkrebs weist auf ein stark erhöhtes Risiko. Während der aktuellen Hormoneinnahme stieg die Wahrscheinlichkeit einer Eierstockkrebserkrankung um 29 %, bei eingenommenen Östrogenen sogar um 63 %. Hatten Frauen fünf Jahre oder länger Hormone eingenommen, war das Eierstockkrebsrisiko immer noch um 45 % höher gegenüber den Frauen, die sich nie einer Hormontherapie unterzogen hatten.

In den seit 2009 bestehenden S 3 Leitlinien im Umgang mit der Hormontherapie wird ausdrücklich empfohlen, Hormone nur bei starken Hitzewallungen so kurz und niedrig dosiert wie nötig bei gleichzeitiger "Risikokommunikation" mit der Patientin zu verordnen. Diese Empfehlungen decken sich in keiner Weise mit der gängigen Praxis. Abgesehen davon, dass die gesundheitlichen Risiken gerne klein geredet oder ganz verschwiegen werden, belegt der Arzneiverordnungsreport, dass selbst viele Frauen über 70 Jahre und älter nach jahrzehntelanger Hormontherapie weiterhin Hormone verordnet erhalten. Zeitschrift CLIO, Heft 72, Mai 2011

Hormontherapie versus Krebsrisiko

Die deutsche Fallstudie MARIE des Deutschen Krebsforschungsinstituts in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Hamburg-Eppendorf bestätigen die Ergebnisse seriöser ausländischer Studien hinsichtlich einem erhöhten Brustkrebsrisiko bei einer Hormonbehandlung in den Wechseljahren. Dazu wurden die Daten von 10000 Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren verglichen, davon 3464 Frauen mit Brustkrebs. Die Gruppe, die noch während der Erhebung Hormone einnahm, wies das am stärksten erhöhte Brustkrebsrisiko auf. Die Wahrscheinlichkeit stieg mit der Dauer der Therapie. Fünf Jahre nach dem Absetzen der Hormonbehandlung fiel das Risiko auf das Niveau zurück, das auch Frauen ohne Hormonbehandlung aufwiesen.

Einen eklatanten Unterschied im Ergebnis der deutschen Untersuchung zu denen der WHI-Studie (women`s-health-intitiative) zeigt sich allerdings bei der Östrogentherapie: Auch hier stieg die Zahl der an Brustkrebs erkrankten Fauen, wo hingegen in den Erhebung der WHI kein erhöhtes Risiko ermittelt wurde. Was zu dieser völlig unterschiedlichen Bewertung geführt hat, ist noch ungeklärt.
Darüber hinaus sank der Anteil der Frauen zwischen 45 und 65 Jahren, die eine Hormontherapie während der Wechseljahre akzeptieren, von 37 % im Jahr 2000 auf 12,7 % in 2007 (Dt. Ärzteblatt, 23, 6.6.08)

Mehr Informationen zur deutschen Studie: Zeitschrift Clio 67, FFGZ, Berlin (Hrsg.) 18.11.2008

Womens Health Initiative: Follow-up-Studie

Über die Vor- und Nachteile einer Hormontherapie in und nach den Wechseljahren hat die Womens Health Initiative eine Follow-up-Studie vorgelegt. Bei den in den USA über 16.000 untersuchten Frauen zeigte sich, dass das Risiko für Brust-, Darm- und Gebärmutterkrebs auch nach Abbruch der Hormontherapie im Vergleich zur Placebogruppe erhöht war. Dagegen war ein positiver Effekt der Hormontherapie auf die Knochensubstanz nicht über das Ende der Hormoneinnahme feststellbar (JAMA, Vol 299, Nr. 9, 5.3.2008)

Eine mögliche Verbindung zum erhöhten Risiko von Eierstockkrebs wurde durch die "Million Women Study" in England überprüft, bei der die Daten von 948576 postmenopausalen Frauen ausgewertet wurden, die zwischen 1996 und 2001 an einem Mammografie-Screening teilgenommen hatten. Die Auswertung zeigte ein sich erhöhendes Risiko für Eierstockkrebs mit fortlaufender Hormontherapie (Lancet 2007; 369; 1667)

Auch so vermeintlich harmlose Kalzium- und Vitamin D-Präparate, welche oft und gerne als Mittel gegen Osteoporose verabreicht werden, sind in Verruf geraten. In einer Studie neuseeländischer Ärzte, in der die Befürworter der Mineral- und Vitaminmittel belegen wollten, wie günstig sich die Einnahme auf das Herzinfarktrisiko von Frauen auswirkt, zeigte sich das Gegenteil: Die Frauen, die Kalzium einnahmen, wiesen im Zeitraum von fünf Jahren erheblich häufiger Herzattacken und Schlaganfälle auf. Wahrscheinliche Ursache dafür ist, dass die Pillen die Ablagerungen in den Blutgefäßen verstärken können.

Der Nutzen dieser Mittel ist darüber hinaus seit langem umstritten, da Vergleichsstudien gezeigt haben, dass Kalzium zwar die Knochen verdichtet, damit aber nicht ein zwangsläufig niedrigeres Frakturrisiko verbunden ist.Hier wird mehr Wirkung suggeriert und mit der Angst vor Osteoporose gehandelt (Süddeutsche Zeitung, 19.01.2008).
Clio 66/Mai 2008
www.ffgz.de

Buchtipp

Wechseljahre - Praktische Begleitung für diese Lebensphase
Feministisches Frauen Gesundheits Zentrum Berlin (Hrsg.)
ISBN: 978-3-930766-13-0/EUR 7,00
Über den Buchhandel erhältlich oder direkt bei: Feministische Frauen Gesundheits Zentrum e.V. Berlin, Bamberger Str. 51, 10777 Berlin, Fon 030/213 95 97, Fax 030/214
19 27, mailto: ffgzberlin@snafu.de, www.ffgz.de

Wechseljahre - Ein neuer Lebensabschnitt
Sexualität und Älterwerden

Die 36seitige Broschüre, herausgegeben von Pro Familia e.V., thematisiert "biologische Zusammenhänge, mögliche auftretende Wechseljahresbeschwerden und verschiedene Behandlungsoptionen. Ein Blick über den Zaun zeigt kulturelle Unterschiede im Umgang mit dieser Phase der körperlichen Reife und nimmt auf die in den Blick gerückten Wechseljahre beim Mann Bezug."
Die Broschüre (Auflage 2008) ist bei Pro Familia als PDF-download erhältlich.

Geschlecherspezifische Medizin

"Gendermedizin und Ärztinnenkarrieren sind ein Zwillingspaar!"

In einem Interview mit "Ärztin" (Ausgabe 04/2008) sieht die Medizinerin, Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek, die Durchsetzung der Gendermedizin als eine vordringliche Aufgabe für Ärztinnen.
Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek, Direktorin des Berliner Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin, hatte die Thematik der geschlechtsspezifischen Medizin für die Kardiologie aufgegriffen und damit entscheidend dazu beigetragen, die Problematik in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken.



Informationspflicht zu Unterschieden der Arzneimitteltherapie bei Frauen und Männern

In einer Stellungnahme für das Bundesgesundheitsministerium fordert der Deutsche Ärztinnenbund: "Ärztinnen und Ärzte, Patientinnen und Patienten müssen zum Beispiel in der Packungsbeilage und in den Fachinformationen darüber informiert werden, ob und mit welchem Ergebnis eine nach Geschlecht differenzierende Untersuchung stattgefunden hat oder nicht".
Dass Frauen und Männer unterschiedlich auf Arzneimittel reagieren können, ist eine gesicherte Erkenntnis. Die Forschung orientiert sich aber bislang überwiegend an Männern und überträgt diese Ergebnisse dann einfach auf Frauen. So halten zum Beispiel die Wirkungen von bestimmten Arzneimitteln bei Frauen länger an, oder die Dosierung kann - wie bei bestimmten Schmerzmitteln - niedriger oder höher sein, so dass Frauen häufiger von unerwünschten Arzneimittelwirkungen betroffen sind als Männer.

In seiner Pressemitteilung vom 21.01.2009 weist deshalb auch der Deutsche Ärztinnenbund erneut darauf hin, dass Unterschiede in der Aufnahme und Verstoffwechselung zu unterschiedlichen Wirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln bei Frauen und Männern führen können und hat sich bei der 12. AMG-Novelle (Gesetz zur Änderung des Arzneimittelgesetzes und anderer Vorschriften) dafür eingesetzt, dass bei klinischen Arzneimittelprüfungen nun Frauen angemessen zu berücksichtigen sind.

Die Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, Dr. Astrid Bühren, plädiert entsprechend ihrer langjährigen Forderung nach geschlechtsdifferenzierter pharmakologischer Forschung und Therapie, die Informationspflicht für die Gesetzesnovelle zu erweitern: "Arzneimittel dürfen nur zugelassen werden, wenn Arzneimittelhersteller verpflichtet werden, bei den beschriebenen Wirkungen, Dosierungen, Anwendungsgebieten, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen eines Arzneimittels entweder darüber zu informieren, dass Unterschiede zwischen Frauen und Männern nicht festgestellt wurden oder angeben, dass nicht bekannt ist, ob Unterschiede bestehen oder aber die jeweils bekannten Unterschiede klar benennen". Deutscher Ärztinnenbund e.V

Herzinfarkt bei Frauen: Fehlgedeutete Weibliche Symptome

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weit vor den Krebserkrankungen die häufigste Todesursache bei Frauen. Der Herzinfarkt spielt hierbei die größte Rolle und hat sich für Frauen zum Risiko Nummer eins entwickelt: Es sterben heute weitaus mehr Frauen als Männer an einem Infarkt des Herzens, auch ihre Überlebenschancen sind bedeutend schlechter. Der Grund: Sowohl betroffene Frauen als auch manche erstbehandelnde Ärzte deuten die Beschwerden fehl, da die besonderen "weiblichen" Symptome häufig eher untypisch für einen Herzinfarkt sind. Die Folge: Die Frauen kommen viel zu spät oder gar nicht in die Klinik. Dadurch geht wertvolle Zeit verloren, die über Leben und Tod entscheiden kann.

Aber auch die besonderen weiblichen Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit des Herzinfarktes sind Frauen nur wenig bekannt, wie unsere aktuelle Emnid-Umfrage belegt. Aufklärung tut also Not:

Die Symptome
"Wichtigstes Zeichen für einen Herzinfarkt sind plötzlich auftretende starke Schmerzen hinter dem Brustbein (Vernichtungsschmerz), die zumeist in den linken Arm ausstrahlen." So werden die Anzeichen des Herzinfarktes in nahezu jedem Gesundheitslexikon beschrieben. Grundsätzlich kann sich ein Herzinfarkt bei Frau wie Mann in dieser Weise äußern. Neue Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass diese als typisch geltenden Anzeichen eher "typisch männlich" sind.

Eine amerikanische Studie von Wissenschaftlern der Universität Arkansas zeigte: 70 Prozent der Frauen hatten vor dem Infarkt keine Schmerzen im Brustbereich, sondern stattdessen ungewöhnliche Müdigkeit und Schlafstörungen. Zu den akuten Beschwerden vor dem Infarkt zählten Kurzatmigkeit und Schwäche. Nur 30 Prozent der Frauen in dieser Studie berichteten von Schmerzen in der Brust, dem bei Männern typischen Symptom.
Vor allem eine Kombination aus Kurzatmigkeit, ungewöhnlicher Müdigkeit und Schwäche, Schlafstörungen sowie Übelkeit und Erbrechen unter körperlicher Belastung gilt heute als "weiblicher Symptomkomplex". Die untypischeren Symptome des "Eva Infarktes" können dazu führen, dass ein Herzinfarkt bei Frauen zu spät erkannt oder falsch behandelt wird.

Jede Frau sollte deshalb wissen, dass neu auftretende Beschwerden, etwa Müdigkeit und Schwäche, erste Zeichen für einen drohenden Infarkt sein können, vor allem, wenn gleichzeitig Risikofaktoren für eine Herzerkrankung, wie Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinspiegel oder ein Diabetes mellitus Typ 2 vorliegen. Um einen Herzinfarkt frühzeitig zu erkennen, empfiehlt der wissenschaftliche Beirat der Initiative Frauenherz die NAN-Regel. "NAN" steht für Nase-Arm-Nabel:
Alle plötzlich auftretenden Beschwerden zwischen Nasenspitze, Armspitze und Nabel, die nicht innerhalb von 15 Minuten wieder verschwinden, können auf einen drohenden Infarkt hindeuten. In diesem Fall ist eine sofortige ärztliche Untersuchung notwendig und unter Umständen lebensrettend.
Auszug aus Frauensache Herzinfarkt - Eine Information der Initiative Frauenherz, Frankfurt/M

Frauen mit hohem "Job-Stress" haben ein erhöhtes Herzerkrankungsrisiko
Bericht der American Heart Association

Frauen mit starkem beruflichem Stress haben ein um 40 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Herzinfarkt, als Frauen mit geringem "Job-Stress". Die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren ist häufig mit hohem Blutdruck und erhöhtem Cholesterinwert verbunden. Besonders gefährdet waren Frauen, deren Arbeit eine hohe Beanspruchung forderte aber gleichzeitig geringe Entscheidungsfreiheit bot, sowie auch Frauen, bei denen hohe Beanspruchung mit starker Kontrolle über die Arbeit verbunden war.

Der Bericht der AHA steht in englischer Sprache unter dem angegebenen Link zur Verfügung. http://www.newsroom.heart.org/index.php?s=43&item=1151

Herzinfarkt: Was müssen Frauen wissen?
Worüber Frauen genau Bescheid wissen sollten, um im Notfall keine Fehler zu machen und welche Besonderheiten bei Frauen im Einzelnen vorhanden sind, ist in der Broschüre der Autoren Geibel-Zehnder, Annette/Bode, Christoph, herausgegeben von der Deutschen Herzstiftung, nachzulesen. Leider nicht zum download, sondern nur als Printausgabe erhältlich bei der Deutschen Herzstiftung

Erste Deutsche Kohortenstudie zur Frauengesundheit:
Wie sich Frauen fühlen, woran sie leiden, wie sie verhüten
www.zeg-berlin.de

Berlin, 7. Mai 2003. Mit einer Teilnehmerinnenzahl von 20.000 und einer bisherigen Dauer von fast fünf Jahren stellt die erste Deutsche Kohortenstudie zur Frauengesundheit eine Vielzahl von Fakten über Gesundheit und Krankheit, Befindlichkeit und Lebensqualität von Frauen in Deutschland bereit.

Erste Ergebnisse der seit 1998 unter Federführung des Zentrums für Epidemiologie und Gesundheitsforschung (ZEG) laufenden Studie, an der sich Frauen zwischen 18 und 65 Jahren auf freiwilliger Basis beteiligen, wurden am Mittwoch in Berlin vorgestellt.

Mit der Befragung, bei der sich die Teilnehmerinnen über einen längeren Zeitraum zu ihren Erkrankungen, ihren Beschwerden, Befindlichkeiten, ihren Medikationsgewohnheiten und anderen Parametern äußern, liegt in Deutschland erstmals eine große Studie zur Frauengesundheit vor, die Entwicklungen über einen längeren Zeitraum erfasst.

Prof. Dr. Lothar A. J. Heinemann zeigte sich besonders angetan von der Aufgeschlossenheit der Frauen, mit ihrer Teilnahme auf eine besondere Weise ihre Verantwortung für Gesundheit zu dokumentieren. Die Frauen waren zunächst von ihren zumeist Frauenärzten auf die Studie hingewiesen worden. Zunehmend machten sie inzwischen einander auf die Studie aufmerksam, berichtete Heinemann. "Wir sind besonders erfreut darüber, dass sich es bei den Teilnehmerinnen nicht um eine besondere Gruppe, sondern letztlich um einen durchaus mit anderen Frauen vergleichbaren Querschnitt durch die deutsche Bevölkerung handelt. Das haben Vergleiche mit Zufallsstichproben ergeben."

Einen besonderen Schwerpunkt in der ersten Studienphase stellten Daten zu Nutzen und Risiken der Anwendung moderner hormoneller Schwangerschaftsverhütungsmittel (OCs) dar. Dazu Prof. Heinemann vor der Presse in Berlin: "Wie sich gezeigt hat, wissen Frauen sehr wenig über die Vorteile der Pille über deren schwangerschaftsverhütende Funktion hinaus" Die Zahl durch OC-Nutzung vermiedener Gesundheitsstörungen und Krankheiten liegt, so Heinemann, rund 60mal höher als die unerwünschter Störungen und Erkrankungen.

Innerhalb der Kohortenstudie wurden 1.716 Frauen vor allem unter dem Aspekt ihrer sexuellen Befindlichkeiten befragt. Dr. Beate Schultz-Zehden, Forschungsbereich Frauengesundheit am Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften von Humboldt- und Freier Universität Berlin, berichtete, dass sich einige Phänomene ergeben hätten, die durchaus im Gegensatz zur landläufigen Meinung stehen. So werde das psychische Wohlbefinden von Frauen mit zunehmendem Alter besser eingeschätzt als angenommen. Schultz-Zehden, die vier verschiedene Frauentypen – von "Power-Frau", leistungsorientiert und offensiv, bis defensiv-traditioneller Frau – bestimmte, stellte weiter fest, dass es vor allem die "Power-Frauen" sind, die häufig hormonell verhüten. Für alle Frauengruppen gilt, dass die OC-Anwendung mit einem höheren körperliches und sexuellen Wohlbefinden einhergeht. Dazu Schultz-Zehden: "Interessanterweise sind es die Frauen, die sich noch stark am traditionellen Rollenmodell orientieren, die insgesamt über mehr körperliche und psychische Einschränkungen berichten."

Besondere Aufmerksamkeit wurde innerhalb der Studie auf das Auftreten von bösartigen Erkrankungen, nicht zuletzt im Zusammenhang mit einer Einnahme von OCs, gelegt. Dr. med. Michael Lewis, Direktor von EPES Epidemiology, Berlin, informierte u. a. darüber, dass die oralen Kontrazeptiva einen Schutz vor bösartigen Tumorerkrankungen der Gebärmutter und der Eierstöcke aber auch der Brust darstellen. "Die Studie macht deutlich, wie wichtig es ist, eine Risiko-Nutzen-Bilanz bei der Betrachtung von Arzneimittelanwendung anzustellen", betonte Lewis.

Die Deutsche Kohortenstudie zur Frauengesundheit soll mit wachsender Teilnehmerinnenzahl weitergeführt werden. Mehr Informationen:
www.zeg-berlin.de

Brustkrebs
Das Geschäft mit dem Brustkrebs: Frauengesundheitsorganisationen fordern Stopp des Missbrauchs

Frauenorganisationen, wie AKF, Breast Cancer Action Germany, das FFGZ Berlin, Netzwerk Frauengesundheit Berlin, Treffpunkt Krebs – Selbsthilfe für jüngere Frauen, Terre des Femmes Deutschland und Women in Europe for a Common Future e.V., treten jetzt entschieden der fortschreitenden Kommerzialisierung und ökonomische Ausbeutung des Themas Brustkrebs entgegen.

Ihre Kritik: Diagnostik und Therapie von Brustkrebs sind eng mit ökonomischen Interessen verknüpft. Eine begleitende kritische Bewertung findet kaum statt. Besonders empörend ist der aktuelle Trend, bei dem globale Konzerne und Firmen den Aufmerksamkeitsfaktor des Themas Brustkrebs zu reinen Marketingmaßnahme für Geschäfte und Profite ummünzen und sich dabei gegenseitig mit PR-Kampagnen und Spendensammlungen überbieten. Aber Einnahmen und Verwendung der Spenden sind selten transparent.

Wie die Krankheit zum Geschäftsmodell umfunktioniert wird, zeigen zwei aktuelle Kampagnen:
Am 18. Oktober hat Pink Ribbon Deutschland auf dem Potsdamer Platz „die größte pinkfarbene Schleife in Deutschland“ gebunden. Dazu boten die Macher jede Menge Werbung und viel Halbwissen aus PR-Kanälen. Im gleichen Zug wurde mit dem „pink“ angestrahlten Brandenburger Tor durch den Kosmetikkonzern Estée Lauder die Aufmerksamkeit auf hochpreisige Kosmetika gelenkt. Eine verständliche Deklaration von Inhaltsstoffen oder der Verzicht auf krebserregende Chemikalien in Kosmetika stehen dagegen nicht auf der Agenda.

Diese Form der Wohltätigkeit, die auf Kosten kranker Menschen die geschäftlichen Interessen bedient, sehen die Frauengesundheitsorganisationen mit großer Sorge. Sie fordern deshalb für den Umgang mit dem Thema Brustkrebs in einem 6-Punkte-Programm u.a.:

  • - eine öffentlich geförderte und transparente Forschung zu Ursachen der Krebsentstehung, Diagnostik und Therapie, die weit über vermarktungsrelevante Eckpunkte hinausgeht,
    - die Vermeidung von Krebserkrankungen genauso wie deren Behandlung zu priorisieren, und Umweltbelastungen und Umweltgefährdungen abzubauen,
    - auf Spenden von Unternehmen und Institutionen zu verzichten, die für die Erzeugung und Verbreitung von Karzinogenen verantwortlich sind,
    - evidenzbasierte Informationsangebote bereitszustellen, die höchsten professionellen und ethischen Standards entsprechen, und die die Themen Vermeidung, Screening, Diagnostik und Therapie auf sachlicher anstelle rein emotionaler Ebene behandeln.

Mammographie hat nur geringen Anteil an gestiegener Überlebensrate bei Mammakarzinom

Die Zahl der tödlich verlaufenden Brustkrebserkrankungen ist in den meisten Ländern rückläufig. Welchen Anteil die Mammographie an diesem Rückgang hat, untersuchte Philippe Autier und Mitarbeiter vom International Prevention Research Institute in Lyon (Britischen Ärzteblatt - BMJ 2011; 343: d4411). Bei dieser Untersuchung stellte er die Entwicklung der Brustkrebssterblichkeit von jeweils zwei Ländern mit vergleichbaren Gesundheitssystemen gegenüber. Jeweils eines der Länder hatte die Mammographie um zehn bis 15 Jahre früher eingeführt, als das andere. Dabei hätte sich, wie auch bei der Früherkennung anderer Krebserkrankungen, ein Vorteil für das Land zeigen müssen, dass die Mammographie früher eingeführt hat, was allerdings nicht der Fall war.

Auch dass der Rückgang der Brustkrebssterblichkeit in den meisten Länder vor Einführung des Mammographie-Screenings einsetzte und am größten in der Gruppe der 40 bis 49-Jährigen war, die nicht in allen Ländern in das Screening einbezogen wurden, spricht für einen geringen Anteil der Mammographie an dieser Entwicklung. Vielmehr sind die Behandlungschancen im Frühstadium des Mammakarzinoms durch adjuvante Chemotherapie und Strahlentherapie heute so gut, dass auch Frauen, die nicht am Screening teilnehmen, gute Überlebenschancen haben, wenn der Tumor frühzeitig entdeckt wird. Newsletter Ärzteblatt 29.07.2011

Brustkrebs-Frühstadium: Komplette Entfernung der Lymphknoten sichert keinen entscheidenden Überlebensvorteil

Nach der randomisierten Z001-Studie der Oncology Group des American Colleges of Surgeons mit 891 an invasivem Brustkrebs erkrankten Frauen kann bei Brustkrebs im Frühstadium auch dann auf die komplette Lymphknotenentfernung in der Axel verzichtet werden, wenn der Wächter-Lymphknoten (Sentinel-Lymphknoten) positiv auf Metastasen getestet wird.

Bei der Hälfte der Frauen wurde nach Entnahme der positiven Wächter-Lymphknoten auf eine Entfernung weiterer Lymphknoten verzichtet. In der Kontrollgruppe wurden durchschnittlich 17 axilläre Lymphknoten entfernt. Im Vergleich konnte durch die Lymphadenektomie kein entscheidender Überlebensvorteil erzielt werden. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate betrug 92,5 gegenüber 91,8 Prozent, die des krankheitsfreien Überlebens 83,9 gegenüber 82,2 Prozent. (US-amerikanisches Ärzteblatt JAMA 2011, 305; 606-7)

Positive Auswirkungen von Entspannungstraining auf Heilungschancen

Die Diagnose Krebs stürzt betroffenen Patienten meist in eine emotionale Stresssituation, verbunden mit tiefer Angst, die sich durch die auftretenden Nebenwirkungen der Therapie und dem Risiko eines Rezidivs im weiteren Verlauf der Behandlung noch verstärken. Dass sich dabei Entspannungsübungen positiv auf das Immunsystem auswirken können, wurde bereits in einigen Studien aufgezeigt.

Vom Comprehensive Cancer Center der Universität in Columbus/Ohio wurde nun erstmals untersucht, welche Auswirkungen eine Psychotherapie auf das Überleben von Brustkrebsbetroffenen hat.

An der Studie nahmen der 227 Patientinnen mit Mammakarzinom im Stadium II oder III teil, deren Tumor entfernt worden war. Eingesetzt wurde bei der psychotherapeutische Begleitung u.a. Entspannungstraining (progressive muscle relaxation), sportliche Betätigung und therapeutische Unterstützung im sozialen und familiären Umfeld.

Das Ergebnis zeigte, dass sich sowohl die Rezidivrate als auch das Sterberisiko am Brustkrebs senkte. Selbst die Gesamtsterblichkeit war nur halb so hoch wie in der Vergleichsgruppe, und Rezidive traten durchschnittlich sechs Monate später auf.

Zwar ist noch ungeklärt, welche Faktoren genau für die günstige Wirkung verantwortlich sind, schaden aber können Entspannungstrainings jedenfalls nicht. Und unabhängig welche Entspannungstechnik gewählt wird, bietet das Training Betroffenen die Möglichkeit, aktiv am Heilungsgeschehen teilzunehmen. (Deutsches Ärzteblatt v. 17.11.2008)

Links zum Thema:
Deutsches Ärzteblatt
Abstract der Studie

Mammografie-Screening: Mangelnde Information über die Probleme mit der Mammografie

Bis 2007 soll die Röntgenreihenuntersuchung zur Brustkrebsfrüherkennung für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren in allen Bundesländern eingeführt sein. Mit ihrem im Jahre 2002 beschlossenen Gesetz hofft die Bundesregierung, dem grauen Screening ein Ende zu setzen und eine gesicherte Qualität der Früherkennungs-Mammografie einzuführen.

Der Bundesverband der Frauengesundheitszentren (FGZ) hat auf seiner Tagung "Die Einführung des Mammografie-Screenings und der Beitrag der Frauengesundheitseinrichtungen zwischen Kritik und Unterstützung" vom 12.-14.5.06 in Dresden die neuesten Ergebnisse zum Screening diskutiert und sieht folgende Probleme:

Die Aufklärung im Screening-Programm gibt kaum Aufschluss über die Verbesserung der persönlichen Überlebenschancen einer einzelnen Frau durch die Früherkennungsmammografie. Die verbreitete Aussage, das die Sterblichkeitsrate um 25% gesenkt werden könne, ist irreführend. Sie bedeutet in absoluten Zahlen ausgedrückt, dass nicht sechs, sondern acht von 1000 Frauen in zehn Jahren einen Überlebensvorteil haben. 992 Frauen haben jedoch keinen persönlichen Nutzen.

Bei der Aufklärung mangelt es an Informationen über die Probleme mit der Mammografie. Falsch-negative Befunde führen zu einer falschen Beruhigung, während falsch-positive Befunde Fehlalarm und Folgetherapien nach sich ziehen. Die sozialen und finanziellen Folgen für Frauen bei einem abzuklärenden Befund sind nicht zu unterschätzen, werden allerdings nicht thematisiert. Darüber hinaus erhöht das Screening aus Sicht einer einzelnen Frau das Risiko einer Brustkrebsdiagnose. Bereits in der Bremer Modellphase wie auch in Studien hat sich herausgestellt, dass die Zahl der diagnostizierten Brustkrebserkrankungen um die Hälfte angestiegen ist. Dieser Trend zur Überdiagnose ist darauf zurückzuführen, dass durch die verbesserte Technik auch verstärkt Krebsvorstufen und Brusttumore entdeckt werden, die das Leben der Frau vermutlich nie bedroht hätten.

Ein Programm, das sich an vornehmlich gesunde Frauen richtet, muss diese mit ihren Fragen ernst nehmen und nicht allein ihre Brüste im Blick haben.

Die FGZ kommen zu dem Schluss, dass das Screening-Programm die Bedürfnisse der Frauen nicht genügend berücksichtigt. Es bedarf ausführlicher und unabhängiger Informationen, aufgrund derer die einzelne Frau ihren persönlichen Nutzen abschätzen und eine informierte Entscheidung über die Frage der Teilnahme am Screening treffen kann. Die FGZ halten es für notwendig, in den Kommunen einen sachlichen öffentlichen Diskurs und Runde Tische aufzubauen, um diesen Prozess im Sinne der Frauen und mit breiter Beteiligung zu begleiten.
Bundesverband der Frauengesundheitszentren, Berlin, Pressemitteilung v. 18.05.2006

"Zusammen stark werden"

lautet das Motto der innovativen psychosoziale Nachsorge für Mütter und ihre Kinder nach überstandener Krebserkrankung der Mutter. Denn wer den Krebs besiegt hat, ist noch längst nicht geheilt. Zu tief sitzen die Wunden und die Angst, die die Diagnose und der Kampf gegen den Krebs bei den Betroffenen und deren Familien verursacht haben.

Ziel der Kur ist es, den Patientinnen Strategien zur Verbesserung der Lebensqualität und Möglichkeiten der Krankheitsbewältigung zu vermitteln. Für die Kinder gibt es eigene Therapieangebote, um Ängste und Sorgen besser verarbeiten zu können. Die Maßnahme wird von der Rexrodt von Fircks Stiftung für krebskranke Mütter und ihre Kinder unterstützt und über die Krankenkasse der Mutter beantragt.
Infos: Mutter-Kind-Hilfswerk e.V., Fon: 08503/914951, www.mutter-kind-hilfswerk.de

Sprechstunde für Kinder krebskranker Eltern

Viele Eltern möchten ihren Kindern eine Krebserkrankung in der Familie am liebsten verschweigen. Kinder spüren es aber sehr genau, wenn die Eltern Sorgen haben, über die sie nicht reden wollen. Etwas Bedrohliches, das im Dunkeln bleibt, über das man nichts erfährt und mit dem man allein bleibt, ist schwerer zu ertragen als fast jede Realität. Dazu kommt die Kränkung, von einem für die Familie so wichtigen Thema ausgeschlossen zu sein und vielleicht sogar belogen zu werden.

Jede Familie muss ihren eigenen Weg finden, mit einer Krebserkrankung umzugehen. Wir wissen aber, dass es Kindern besser geht, wenn sie in verständlicher, kindgerechter Form über die Erkrankung informiert werden. Es ist nicht nötig, ihnen jedes Detail zu erklären, aber sie sollten Fragen stellen können und aufrichtige, klare Antworten bekommen. Hilfreich ist es, wenn Gefühle gezeigt werden dürfen, sowohl von den Eltern als auch von den Kindern. Gleichzeitig ist es für die Kinder entlastend, wenn sie ihre Eltern als kompetent im Umgang mit der Krankheit empfinden. Das heißt aber nicht, dass sie immer stark sein müssen. So ist es ein Zeichen von Kompetenz, sich bei übergroßen Problemen Hilfe zu holen. (Prof. Hermann Faller)

Klinikum Großhadern: Seit Anfang 2008 bietet der Bereich Psycho-Onkologie der Universitätsklinik München-Großhadern eine individuelle psychologische Betreuung von Kindern, deren Eltern an Krebs erkrankt sind. In einem Elterngespräch können sich Betroffene informieren, wie sie ihr Kind über die Erkrankung aufklären können. Bei Bedarf unterstützt eine ausgebildete Kinder- und Jugendtherapeutin Eltern und Kinder im Rahmen einer Kurzzeittherapie und vermittelt wenn notwendig Familien an niedergelassene Therapeuten. Die "Kindersprechstunde" steht allen betroffenen Münchner Eltern offen.

BRK-Kindergruppe krebskranker Eltern
Nicolaidis-Stiftung
Hospiz macht Schule


Literatur zum Thema: Mein wunderschöner Schutzengel. Als Nellys Mama Krebs bekam, von Dr. Kerstin Hermelink, Frauenklinik Großhadern.

Trauerarbeit
Aus der Trauer zurück ins Leben: Kinder trauern anders

Angst, Wut, Hoffnungslosigkeit - kein Wort der Welt kann den Schmerz richtig beschreiben, wenn der Tod den Partner, die Mutter, den Vater, den Bruder oder die Schwester raubt. Eine Welt bricht dann zusammen: Zu groß ist die Lücke, die der Tod in die Familie reißt. Diese Lücke wird immer klaffen, aber gelebte und erlebte Trauer hilft, sie zuzulassen und mit liebevollen Erinnerungen an den verlorenen Menschen zu füllen. Die Trauer sollte zugelassen werden, um sich der Zukunft wieder öffnen zu können.

Trauer hat dabei viele Gesichter und jedes Familienmitglied erlebt seine Trauer anders. Erwachsene müssen mit dem Verlust, den eigenen Ängsten und ihrer Hoffnungslosigkeit umgehen lernen - eine große Herausforderung. Darüber hinaus müssen sie jederzeit für die Kinder erreichbar sein. Denn Kinder trauern anders und benötigen ein besonderes Verständnis für die oft sehr irritierenden Gefühle. Oftmals lähmen Sprachlosigkeit und ein nicht enden wollender Schmerz die Familie, ebenso zeigt sich der Wunsch nach Normalität, denn der Alltag muss weiterhin bewältigt werden. Das "Funktionieren" ist in der ersten Phase ein wichtiger Selbstschutz, doch später ist es wichtig, Kindern von Beginn an ehrlich und offen im Umgang mit Tod und Trauer zu begegnen, bevor der Kummer die Familie erdrückt.

Professionelle Hilfe für betroffene Familien bietet die Schwerpunktkur "Trauerbewältigung" im Rahmen einer Mutter/Vater & Kind-Kur. Trauernde Familien werden von ausgebildeten und erfahrenen Psychologinnen begleitet und als trauernde Gemeinschaft in den Mittelpunkt gerückt. Sie können anderen Trauernden nahe sein und spüren, dass gemeinsam trauern tröstlich sein kann. Eltern und ihre Kinder können in einer geschützten Atmosphäre von Verständnis und Wärme ihre Trauer spüren und Wege zueinander finden. Es werden hilfreiche Rituale erarbeitet und die therapeutischen Angebote zeigen Wege auf, das Leben neu zu gestalten und sich als gestärkte Familie erleben zu können.

Kostenloses Info-Telefon 0800-2255100, Infos im Internet: www.mutter-kind-hilfswerk.de

Künstliche Befruchtung
Vermehrte Fehlbildung

Nach einer dpa-Meldung wurde in einer Fallkontrollstudie des Centers of Disease Control and Prevention in Human Reproduction, Atlanta, nachgewiesen, dass Kinder aus künstlicher Befruchtung doppelt so häufig mit Fehlbildungen zur Welt kommen.

In einem ausführlichen Kommentar weist das Deutsche Ärzteblatt darauf hin, dass die vorliegenden Daten der noch laufenden Studie, in der die genetischen und umweltbedingten Ursachen von Fehlbildungen untersucht werden, zwar ein erhöhtes Risiko bei künstlicher Befruchtung aufzeigen, aber bisher keine Kausalität zu den Techniken der Reproduktionsmedizin belegt werden. Experten vertreten die Ansicht, dass die Fehlbildungen Teil der Störung sein können, die auch zur Infertilität führt. Mehr Klarheit sollen zukünftige Analysen bringen.(Newsletter, Deutsches Ärzteblatt 18.11.2008)

Links zum Thema:
Deutsches Ärzteblatt
PDF der Studie

Betroffene Frauen sollen mitentscheiden!

"Das kriegen wir schon hin": Wer hört diesen Satz nicht gern, wenn er ein Problem hat, bei dem nur ein Experte helfen kann? In der Reproduktionsmedizin aber können solche Aufmunterungen zur psychischen Falle werden.
Immer mehr Paare haben heute Fruchtbarkeitsprobleme. Allein in Deutschland sollen es zwei Millionen sein, Tendenz steigend. Die Hauptgründe: frau wartet mit dem Kinderkriegen zu lange und die Qualität der Spermien sinkt durch Umweltverschmutzung und veränderte Lebensgewohnheiten kontinuierlich.

Da schafft die Reproduktionsmedizin Abhilfe: Insemination, In-Vitro-Fertilisation (IVF), Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), kurz: künstliche Befruchtung ist ein heutzutage immer beliebteres Mittel, um auch kinderlosen Paaren zum ersehnten Wunschkind zu verhelfen.
Alles geritzt, oder? Scheinbar doch nicht, denn wie bei der spontanen Schwangerschaft gilt für die künstliche Befruchtung: je älter die Frau, desto geringer die Erfolgschancen. Seriöse Reproduktionsmediziner nehmen aus diesem Grund über vierzigjährige Frauen als Patientinnen gar nicht mehr an.

Aber auch junge Frauen müssen mit drei bis vier Versuchen rechnen, ehe sich das Familienglück (hoffentlich!) einstellt. Und angenehm sind die Behandlungen beileibe nicht: Hormonspritzen, Ultraschall, Eizellentnahme unter Narkose (bei IVF und ICSI), im günstigsten Fall Einsetzen der befruchteten Eizellen nach drei Tagen in die Gebärmutter. Dann wieder Hormonspritzen. Mit Glück läuft das Ganze ohne Schmerzen ab. Die Männer haben's zwar leichter, aber Samenspenden auf Abruf ist auch kein Vergnügen. Nach etwa zwei Wochen dann der Bluttest, der in der Mehrzahl der Fälle negativ ist.

Der behandelnde Arzt gibt aber nicht so schnell auf: "Versuchen wir es noch einmal"? Für ihn steht einiges auf dem Spiel: das Geschäft, denn in einer privaten Reproduktionsklinik legt ein Paar schon mal 3.500 Euro für einen IVF-Versuch hin, und der gute Ruf, denn wer viele Babys "produziert", gilt gemeinhin als kompetent. Und schließlich ist da noch eine gewisse Verbissenheit bei Arzt und Patientin, vor allem wenn es sich um eine unerklärbare Sterilität handelt: "Es MUSS doch funktionieren!" Aber der Mensch ist eben mehr als die Summe seiner Teile, und ca. 40 Prozent der Paare verlassen die Klinik irgendwann wieder ohne den ersehnten positiven Schwangerschaftstest in der Hand.

Kritiker bemängeln, dass von medizinischer Seite viel zu schnell zur künstlichen Befruchtung geraten wird. Das beweist die Tatsache, dass etwa 50 Prozent der Frauen, die sich in Behandlung begeben, während einer Behandlungspause oder nach Abbruch der Behandlungen auf natürliche Weise schwanger werden. Auch konzentriert sich die Ursachenforschung immer noch zu stark auf die Frau; der betroffene Partner wird oft erst in die Untersuchungen miteinbezogen, nachdem bei der Frau schon ziemlich "herumgedoktert" worden ist. Lebensumstände, Bedürfnisse, Ängste des Paares erfahren keine angemessene Berücksichtigung.

Da die Frau psychisch und physisch die Hauptlast bei diesen Behandlungen trägt, drängt sich der Verdacht auf, dass die großteils männlichen Ärzte zu oberflächlich, zu schnell und zu unbekümmert agieren, eben weil es sich nur um den weiblichen Körper handelt. Ob auch unbewusste Machtphantasien gegenüber der Frau, die sich durch Pille und freien Schwangerschaftsabbruch die Herrschaft über ihren Körper zurückerobert hat, mit im Spiel sind, sei dahingestellt.

Was bei alldem jedenfalls auf der Strecke bleibt, ist die Psyche der Frau. Für Frauen, die solche Behandlungen auf sich nehmen, ist der Kinderwunsch keine Flause, sondern von existenzieller Bedeutung. Mit dem negativen Schwangerschaftstest fallen sie in ein tiefes psychisches Loch. Der Partner ist nicht so stark betroffen oder frisst den Frust in sich hinein. Gut gemeinte Trostversuche von Verwandten und Bekannten, wie: "Ein Kind kann auch eine ganz schöne Belastung sein", sind absolut fehl am Platz. Und die Aufmunterung des Arztes "Beim nächsten Mal klappt's bestimmt!" wird zur Killerphrase, wenn es dann wieder nicht funktioniert. Ungewollte Kinderlosigkeit bewirkt gleich großen Stress wie eine Krebserkrankung. Nur stoßen die Betroffenen kaum auf Verständnis, bleiben mit ihrem Kummer allein und riskieren bisweilen sogar die Partnerschaft, die diesem Druck nicht standhält.

Frauen, die sich auf künstliche Befruchtung einlassen, sollten das Für und Wider gut abwägen, ihr Krankheitsbild und damit ihre Chancen kennen und niemals auf die Mitsprache bei den Behandlungen verzichten, zumal diese ja auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigen. Es ist Ihr Körper und Ihre Seele! Auch sollten sie sich rechtzeitig Gedanken darüber machen, wie es weitergeht, wenn der gewünschte Erfolg ausbleibt. Vielleicht ergeht es ihnen dann ja wie mir: Nach zwei gescheiterten Versuchen brach ich die Behandlungen ab - da stellte sich das Wunschkind von alleine ein! Maria Hechensteiner, Bozen

Wunschkaiserschnitt

Kaiserschnitt auf Bestellung – Der Tod der natürlichen Geburt?

Der Kaiserschnitt war (und ist) bislang ein operativer und drastischer Eingriff in die abdominale Körperhöhle der Frau gewesen, den die Ärzte nur im Notfall oder bei absehbaren Komplikationen ausführten, um das Leben der Mutter und/oder des ungeborenen Kindes zu schützen. In den letzten Jahren verstärkte sich ein Trend, bei dem immer mehr schwangere Frauen mit Hilfe des so genannten Kaiserschnitts (Sectio caesarean) ihre Kinder zur Welt bringen lassen, ohne dass eine medizinische Notwendigkeit vorliegt.

Die Statistiken und Schätzungen der letzten fünf Jahre sprechen von einem Anteil des Kaiserschnitts bei Entbindungen von 15 – 20% in Deutschland. Dies besagt, dass – bei steigender Tendenz - etwa jede 5. Schwangere hierzulande nicht durch eine spontane und natürliche Geburt entbindet. Im internationalen Vergleich schwanken diese Zahlen erheblich, hauptsächlich begründet durch die unterschiedlichen medizinischen, ökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Vorraussetzungen der verschiedenen Länder. So liegt die Rate in den USA bei ca. 25%, in der VR China bei ca. 40%, in Brasilien im Landesdurchschnitt bei 30% und in den brasilianischen Großstädten sogar bis zu über 70%.

Grundsätzlich sind die weit entwickelte Medizintechnik und die Verbesserung und Verfeinerung der Operationsmethoden für viele Frauen und ihre ungeborenen Kindern ein Segen und oftmals auch lebensrettend sein kann. Auch die damit verbundene Entscheidungsfreiheit, den Ablauf ihrer Schwangerschaft mitbestimmen zu können, ist insgesamt als ein Fortschritt zu betrachten. Schwangerschaft und Geburt sind aber trotz ihrer deutlichen und scheinbar dramatischen körperlichen und seelischen Veränderungen keine Krankheiten, sondern ein besonderer, kostbarer und zeitlich begrenzter Ausnahmezustand, der spezielle Aufmerksamkeit und eine angemessene innere Haltung erfordert. Geburt und Tod sind im Leben eines Menschen von allen Urprinzipien und archaischen Qualitäten, mit denen er in Berührung kommen kann, die intensivsten und konsequentesten Erlebnisse. Sie markieren zwei gegensätzliche und gleichzeitig auch sehr verwandte Ereignisse, die den zyklischen Wandel allen Lebens und allen Seins repräsentieren und voraussetzen. Geburt und Tod sind darüber hinaus auch die elementarsten Initiationen, denen der Mensch auf der Reise seines Lebens begegnen kann.

Unsere moderne Gesellschaft und der gegenwärtige Zeitgeist neigen dazu, das Leben und lebendige Prozesse als etwas statisches, mechanistisches und dadurch kontrollierbares zu betrachten und es werden viele Anstrengungen unternommen, um das Leben und die lebendige Natur entsprechend den egoistischen Vorstellungen der Menschen anzupassen und zu unterwerfen. Insofern sind alle Zyklen und alle zyklischen Prozesse, die in ihrer Ursprünglichkeit das Grundmuster des Lebendigen bilden, dem modernen und rational-intellektuell denkenden Menschen, unheimlich und bedrohlich geworden.

Die elementaren Kräfte, Urprinzipien und zyklischen Muster existieren in jedem Menschen völlig unabhängig und autonom weiter und lassen sich auch auf Dauer nicht von Verstandeskraft, Logik und einem rein intellektuellen Weltbild beeinflussen oder wegrationalisieren. Es ist nur möglich, mit ihnen und durch sie zu leben und zu existieren; auf Dauer kann man nicht gegen sie oder ohne sie leben. Die unterschiedlichen Abschnitte und Qualitäten innerhalb dieser Zyklen werden naturgemäß von verschiedenen Übergangsereignissen eingeleitet und beendet. Diese Ereignisse können als Initiationen bezeichnet werden und sollten im Leben eines Menschen einen angemessenen Platz einnehmen. Werden die verschiedenen Übergänge und die damit verbundenen Initiationen nicht ausreichend berücksichtigt, bewusst erfahren und "erlebt", besteht die Gefahr, dass der Mensch die vielen kleinen und großen Zyklen seines Lebens nicht vollständig abschließen und in seinem inneren Wesen integrieren kann. Dadurch fehlt dem Menschen etwas Grundsätzliches und er ist - in diesem Sinne betrachtet - aus dem Rhythmus des Lebens geraten.

In unserer Kultur existiert oft nur noch ein auf Kitsch und Kommerz reduzierter Abklatsch der ehemals wichtigen und notwendigen rituellen Handlungen: Die Schultüte, der Osterhase und der Weihnachtsmann sind die gegenwärtigen Endpunkte der Degeneration ritueller Ereignisse innerhalb unserer Gesellschaft. Dabei streben jedoch die zur Verfügung stehenden Kräfte immer wieder nach einer Form der Umsetzung, damit sie zum Ausdruck kommen können und adäquat erlöst werden.

Bringt eine Frau - ohne den Einsatz von Betäubungs- und Schmerzmitteln - aus eigner Kraft und Motivation ihr Kind zur Welt, begegnet sie ihrerseits dadurch der tiefen und manchmal auch erschütternden Erfahrung, die eine Kindsgeburt mit sich bringt. Nach einer intensiven Reifezeit von neun Monaten, welche die Frau seelisch und körperlich geprägt hat, drängt jetzt in ihr das Urprinzip des Gebärens mit seiner gesamten archaischen Kraft in den Vordergrund und kann eine fundamentale Initiation ihres Wesens bewirken. In Verbindung durch die sehr starken Wehenschmerzen und damit verbunden Kraftanstrengungen kommt es in dieser Situation sehr rasant zur einer intensiven Krise, die den Bewusstseinszustand der gebärenden Frau vorübergehend verändert und sie an ihre Grenzen führen kann. Diese "Grenzerfahrung", die meistens mit starken Gefühlen und Wahrnehmungen von Angst, Todeseindrücken, Halluzinationen, außerkörperlichen Erfahrungen, Euphorie, Identitätsstörungen und sogar Besessenheit einhergehen kann, ist die notwendige Konsequenz, um den vorausgegangenen Zyklus der Schwangerschaft durch den Höhepunkt der Geburt zum krönenden Abschluss zu bringen. So ist der natürliche Geburtsvorgang immer eine - mehr oder weniger - dramatische und transzendente Erfahrung, die auf der einen Seite sehr viel aggressive Energie und aktive Willenskraft erfordert, und auf der anderen Seite ein Urvertrauen und die Hingabe an ein höheres Prinzip voraussetzt, bei dem das Ego der gebärenden Mutter vorübergehend außer Funktion gesetzt wird. Einer Erfahrung von dieser Intensität und Kompromisslosigkeit begegnet man (freiwillig) im Laufe seines Lebens nicht sehr oft und ist deswegen für die weitere seelische Entwicklung der Mutter und auch des Kindes so wertvoll.

Auffällig viele Frauen, die mit Hilfe der PDA entbunden hatten, berichteten später immer wieder, dass sie das Gefühl haben, einen wichtigen Teil der Geburt verpasst zu haben oder das sie nicht richtig "da" waren und sich teilweise innerlich leer fühlen, als ob ihnen etwas fehlen würde.Diese Aussagen können schon ein deutlicher Hinweis darauf sein, was im Falle einer Schnittgeburt für seelische Konsequenzen für Mutter und Kind zu erwarten wären, ganz abgesehen von den rein körperlich-medizinischen Risiken, die auch heute noch solch ein Eingriff mit sich bringen kann.

Die verlockende Möglichkeit, das Kind zu einem relativ festgelegten Termin "aus dem Bauch" holen zu lassen steht deutlich im Gegensatz zu dem angesprochenen Hintergrund einer natürlichen und spontanen Geburt. Die meisten Schnittentbindungen finden unter Vollnarkose oder einer örtlichen Betäubung statt, bei denen das Bewusstsein der Frauen stark eingeschränkt ist. Darüber hinaus findet in dieser Situation wohl kaum eine aktive Beteiligung der Schwangeren statt. Viele Frauen wählen diese Art der Entbindung ganz bewusst, da sie sich aus Gründen der Angst oder anderen inneren Widerständen nicht mit diesem schmerzhaften und archaischen Akt der Geburt auseinandersetzen wollen. Dabei scheinen weder die werdende Mutter noch die Geburtshelfer sich darüber bewusst zu sein, was für seelische Auswirkungen eine Schnittgeburt auf das Kind haben könnte.

In den Forschungen der transpersonalen Psychologie wurden die unterschiedlichen Traumata und Verhaltensmuster, die einem Geburtserlebnis zugrunde liegen, ausführlich diskutiert und unter verschiedenen Aspekten betrachtet. Der bekannte Arzt und Psychotherapeut Dr. Dr. Stanislav Grof berichtet aus seinen zahlreichen Untersuchungen und Forschung in seinem Buch Geburt, Tod und Transzendenz über folgende Erkenntnisse und Erfahrungsberichte:

Es hat den Anschein, als ob das Geburterlebnis die grundlegenden Anschauungen über die Existenz, das Weltbild, die Einstellungen zu anderen Menschen, das Verhältnis von Optimismus zu Pessimismus, den gesamten Daseinsentwurf und sogar so spezifische Dingen wie das Selbstvertrauen, den Umgang mit Problemen und die Fähigkeit zur Verwirklichung von Plänen bestimmt. Aus der Sicht des medizinischen Modells und des gesunden Menschenverstands scheint das Kind bei der Geburt lediglich eine passive Rolle zu spielen. Die Arbeit wird allein von der Mutter und den Kontraktionen ihrer Gebärmutter geleistet, und das Kind wird mehr oder weniger als lebloses Objekt entbunden ... Auf jeden Fall geht aus der Aktivierung des Geburtserlebnisses im Rahmen von Selbsterfahrungstherapien deutlich hervor, dass der Geburtsvorgang innerlich als Feuerprobe, als wahrhafte Reise des Helden erlebt und interpretiert wird, die mit extremen aktiven Anstrengungen und Kämpfen verbunden ist ... Zudem scheint das Erlebnis der Enge des Geburtskanals die Grundlage für das Gefühl der eigenen Grenzen zu bilden. Die Menschen, die durch einen geplanten Kaiserschnitt auf die Welt kamen, wissen unter Umständen nicht so recht, welchen Platz sie in der Welt einnehmen und wie viel sie von anderen erwarten können.

Diese Ausführungen mögen uns verdeutlichen, wie nachhaltig und zeitunabhängig schon am Beginn eines Menschenlebens grundlegende und meistens unbewusste Verhaltensmuster - in positiver wie auch in negativer Ausprägung -miterschaffen werden können und die Missachtung der natürlichen Prozesse während der Schwangerschaft und Geburt einen lebenslangen Einfluss auf die seelische Verfassung des Kindes haben. Als Therapeuten und Heiler sind wir herausgefordert, das gesellschaftliche Bewusstsein für dieses Thema zu erweitern und zu sensibilisieren. Denn eines ist sicher: Spätestens mit der letzten großen Initiation des Menschen – dem Tod - wird jede Seele auf ihre Weise in den Genuss kommen, einem alles verschlingenden und transformierenden Urprinzip zu begegnen.

Mögen diese Seelen bei ihrer Wiedergeburt auf eine hingebungsvolle und nicht-kaiserschnittfreudige Mutter treffen.
Peter Launhardt, Heilpraktiker, Berlin

Projekte am Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP), Universität Bremen

Wunschkaiserschnitt: Zusammenhänge von Angst, Selbstbestimmung und Lifestyle (Promotionsprojekt). Leitung: Barbara Baumgärtner

Einflussfaktoren auf die Durchführung eines Kaiserschnitts
Leitung: Prof. Dr. Petra Kolip

Elektiv abdominal-operative Entbindung ohne medizinische Indikation: Positionierung der klinisch tätigen FrauenärztInnen im Entscheidungs- und Interventionsprozess (Promotionsprojekt). Leitung: Corinna Schach

Das geht uns alle an!
Dreißig Jahre Frauengesundheitsbewegung

In der CLIO-Ausgabe Nr. 70 des FFGZ, Berlin, reflektiert die Historikerin Prof. Dr. Barbara Duden, unter dem Titel "Mein Körper. Mein Selbst." sehr kritisch dreißig Jahre Frauengesundheitsbewegung, die als Protest am patriarchalen Medizinsystem und an der Medikalisierung des Frauenkörpers in den 1970er Jahren begann, und die zwischenzeitlich eine beunruhigende "Umstülpung" erfahren hat: Von der patriarchal bevormundeten Patientin zur selbstbestimmten und informierte Entscheidungsfinderin, die in einem Medizin- und Gesundheitssystem, das riskante und fragwürdige Prozeduren anbietet, Kosten und Nutzen abwägt und zwischen den Optionen an Tests, Kontrollen, Screenings, Beratungen etc, ihre Entscheidung trifft. Für die Folgen wird sie sich später selbst verantwortlich fühlen müssen.

Ein Fazit dieser sehr nachdenklich stimmenden Rückschau: "Damals ging es den Frauen um ihr Fleisch in seinem Fluss und Rhythmus im Hier und Jetzt, und entzückte Neugier und Liebe zu sich waren die praxisleitende Empfindung. Um über heute zu sprechen, müssten wir mehr wissen über die somatischen Folgen der neuen abstrakten Angst, unter der Frauen leiden, dass nämlich immer schon etwas nicht in Ordnung sein könnte, obwohl der Mediziner noch nichts entdecken konnte."

Eng verbandelt: Mitglieder im Leitungsgremium der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Nahrungsmittelindustrie

Eine aktuelle Studie der Nichtregierungsorganisation Corporate Europe Observatory zeigt: Gleich mehrere Mitglieder im Leitungsgremium der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sind eng mit der Nahrungsmittelindustrie verbunden. Deutschland ist in der EFSA-Leitung sogar mit einem waschechten Industrielobbyisten vertreten: Matthias Horst, dem Geschäftsführer des deutschen Spitzenverbands der Ernährungsindustrie.

Die Leitung der Behörde sieht in diesen Verbindungen kein Problem. Wir meinen: Nahrungsmittellobbyisten gehören nicht in eine Behörde, die über die Sicherheit von Lebensmitteln für die Verbraucher entscheidet. Die EU-Kommission muss die Behörde neu strukturieren und die Verbindungen zur Industrie effektiv kappen.

Mehr unter http://www.lobbycontrol.de/blog/index.php?p=5830
Newsletter Lobbycontrol Februar 2011


Verdeckte Werbung der Pharma-Lobby

"70 Prozent aller Informationen, die ein Patient über seine Krankheit im Internet sucht, sind von der Pharmaindustrie gesteuert - subtil, kaum zu erkennen und kaum zu ahnden."

Wie Pharmakonzerne tricksen, um das Werbeverbot fuer verschreibungspflichtige Medikamente, das Patienten schützen soll, auszuhebeln, beschreiben Caroline Walter und Alexander Kobylinski in ihrem neuerschienenen Buch

 

Patient im Visier. Die neue Strategie der Pharmakonzerne

Caroline Walter: "Es begann im Wartezimmer eines Arztes, als uns beim Lesen von großen Illustrierten verdeckte Pharmawerbung für rezeptpflichtige Medikamente auffiel. Die Geschichte entwickelte sich weiter, als wir das Strategiepapier einer internationalen Pharma-Consultingfirma entdeckten, in dem vom Patient im Visier die Rede war. Darin wurden Methoden zur systematischen Beeinflussung von kranken Menschen beschrieben, um einen Mehrwert fuer die Unternehmen zu generieren. Mit verschiedenen Identitaeten und Rollenwechseln haben wir in fast zweijähriger investigativer Recherche beobachtet, wie chronisch Kranken falsche Hoffnungen gemacht werden, und wie ihnen der dauerhafte Einsatz gefährlicher und umstrittener Medikamente eingeredet wird. Und wir haben im Selbstversuch gelernt, wie das Pharmalobbying in der Politik funktioniert."

Caroline Walter und Alexander Kobylinski: Patient im Visier. Die neue Strategie der Pharmakonzerne; Hoffmann und Campe, 2010, ISBN 978-3-455-50151-3/€ 17,00

Absurdes Arzneimittelgesetz: Hilfe für Schwerstkranke strafbar

In der Begleitung schwerstkranker Menschen qualifizierte Ärzte machen sich strafbar, wenn sie Betäubungsmittel in einem Notfall zur Überbrückung durch und/oder für den Patienten, z.B. bei schwersten Schmerzen und lebensbedrohlicher Atemnot, erlauben, nur weil formal das Betäubungsmittel nicht durch einen Apotheker abgegeben wird, wenngleich der Arzt das Mittel verordnet hat.

Gleichzeitig wird der selbe Arzt gegenüber dem Patienten haftbar, wenn er in einem Notfall dessen Schmerzen nicht durch notwendige Opioide behandelt, nur weil kein Apotheker erreichbar ist. Ein absurder und ungewollter Zustand, der jeden von uns treffen kann.

Flächendeckende Versorgung mit Hebammenhilfe in Gefahr 03.05.2010

Die flächendeckende Versorgung mit Hebammenhilfe ist in den letzten Jahren zunehmend in Gefahr geraten. Die Politik hat bisher wenig getan, um diesen Missstand zu beheben. Es darf nicht dazu kommen, dass Frauen und ihre Kinder in Zukunft auf Hebammenhilfe verzichten müssen. Hebammenhilfe muss überall gewährleistet sein! Informieren Sie sich über die Hintergründe unter: www.hebammen-protest.de

"Armut und Menschenrechte": Das Recht auf Gesundheit in Deutschland

In Rahmen der Veranstaltungsreihe "Armut und Menschrechte", die am 16.06. in Berlin stattfand, diskutierten Fachleute über das Recht auf Gesundheit, gesundheitliche Ungleichheit und über eine menschenrechtliche Gesundheitspolitik in Deutschland. Zentrale Aussage der Veranstaltung: Die Gesundheit von Menschen ist in hohem Maße abhängig von ihrer Bildung, ihrem Einkommen und ihren Teilhabechancen. Thematisiert wurden auch Bildungschancen von Kindern. Sie hingen vor allem von der sozialen Lage ihrer Eltern ab, so Rolf Rosenbrock, Sachverständigenrat Gesundheitswesen. "Schlechte Gesundheitschancen sind somit erblich – ohne die Beteiligung von Genen."

Veranstalter der Diskussionsreihe "Armut und Menschenrechte" sind das Deutsche Institut für Menschenrechte und das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
www.institut-fuer-menschenrechte

Osteoporose
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört die Osteoporose heute zu den wichtigsten chronischen Erkrankungen. Da die Menschen immer älter werden, ist anzunehmen, dass diese Erkrankung weiter an Bedeutung zunehmen wird. Frauen nach den Wechseljahren sind besonders gefährdet, an Osteoporose zu erkranken. Etwa 30 Prozent der Frauen, die nach Eintritt der Menopause einen Knochenbruch erleiden, haben eine signifikant niedrige Knochendichte.

Patientenleitlinie Osteoporose

Die Leitlinie, herausgegeben vom Dachverband Deutschsprachiger Osteoporose-Selbsthilfeverbände und Patientenorientierter Osteoporose-Organisationen e. V. (DOP) ist allgemeinverständlicher Sprache abgefasst und geht u. a. auch auf den Stellenwert von Hormontherapie in den Wechseljahren zur Vorbeugung gegen Osteoporose (Knochenentkalkung) ein. Die verschiedenen Arzneimitteltherapien und diagnostischer Verfahren zur Erkennung einer Osteoporose werden bewertet und auf eine knochenfreundlicher Ernährung und Bewegung hingewiesen. Patientenleitlinie:www.osd-ev.org/downloads/osteoporose_patienten_leitlinie.pdf

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