ENDOMETRIOSE
Die verkannte Frauenkrankheit


Diagnostik und Therapie aus ganzheitsmedizinischer Sicht

Herausgegeben von Jörg Keckstein,
LKH A-Villach

5., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage März 2009
ISBN 978-3-938580-17-2/ € 23,90
Kart., 192 Seiten mit 25 farb. Abbildungen


Ebook ISBN 978-3-938580-28-8/ € 15,90 download
Auszug (PDF) kostenfrei
Im Umgang mit der Komplexerkrankung Endometriose mit ihrem oft chronisch schmerzhaften Verlauf und den weitreichenden psychosozialen Folgen auf das Leben der betroffenen Frauen ist eine ganzheitliche Sicht notwendig, die die Lebensqualität und nicht nur das „Funktionieren“ berücksichtigt. Denn jede Endometriose ist anders! Durch Wissen und Eigenkompetenz können Frauen lernen, mit einer chronischen Endometriose gut zu leben und sich eine optimale Behandlung zu sichern.

Welche diagnostischen und therapeutischen Verfahren heute zur Verfügung stehen und wie alternative Heilmethoden der TCM, der Homöopathie und der endometriosespezifischen Rehabilitation bei der Schmerzbewältigung helfen können, wird in diesem Buch von Endometriose-Spezialistinnen und –Spezialisten patientinnenorientiert beschrieben. Ergänzend werden Fruchtbarkeitsstörungen und ihre Behandlung thematisiert und Aspekte der Selbsthilfe aufgezeigt.

Mit praktischen Tipps und Informationen der Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V.

Hinweis: Frauen mit Endometriose für Studie gesucht Medizinische Hochschule Hannover, Frau Dr. Brandes
Auszug aus: Wesen und Entstehung der Endometriose
Endometriose - Eine rätselhafte Erkrankung
Warum ist die Diagnose oft schwierig?

Die chirurgische Therapie der Endometriose
Indikationsstellung – Gründe für operative Maßnahmen
Die Operationsmethoden und ihre Vor- und Nachteile

Die chirurgischen Methoden zur Therapie der Endometriose

Homöopathische Therapie der Endometriose
Brauchen (Endometriose-)Frauen eine andere Medizin?

Naturheilkundliche Begleitung vor und nach einer Operation

Postoperative Unterstützung

Erfahrungen aus der Selbsthilfearbeit der Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V.

Autorinnen und Autoren
Dr. Anja Maria Engelsing



Prof. Dr. med. Jörg Keckstein

Prof. Dr. med. Gerhard Leyendecker

Dr. med. Christiane Niehues

Dr. Ansgar Römer

Prof. Dr. med. Karl-Werner Schweppe


Prof. Dr. h.c. Hans-Rudolf Tinneberg

Johanna Wolf

Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V.
Homöopathische Therapie der Endometriose
Naturheilkundliche Begleitung vor und nach einer Operation


Die chirurgische Therapie der Endometriose

Die Bedeutung der Uterusmuskulatur


Rehabilitation bei Endometriose

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bei Endometriose

Wesen und Entstehung der Endometriose
Die medikamentöse Therapie der Endoetriose


Sterilitätsbehandlung bei endometriosebedingter
Unfruchtbarkeit

Diätetik in der TCM bei Endometriose

Erfahrungen aus der Selbsthilfearbeit
Auszug

WESEN UND ENTSTEHUNG DER ENDOMETRIOSE

Endometriose – eine rätselhafte Erkrankung

  • Endometriose ist eine Frauenkrankheit, die in jedem Alter nach der ersten Regelblutung auftreten
    kann!
  • Wissenschaftlich exakte Daten über die detaillierten biochemischen und psychologischen Abläufe und Zusammenhänge der Erkrankung sind relativ dürftig vorhanden
  • Die Ursachen, die zur Endometriose führen, sindnoch unbekannt, und wie sie entsteht, ist nur teilweise geklärt
  • Umfangreich untersucht wurde, wie eine Endometriose fortschreitet und Krankheitssymptome hervorruft
  • Die Erkrankung, die das Zellgewebe der Organe der Bauchhöhle - aber auch anderer Organe - befallen kann, verursacht nichtvorhersehbare Beschwerden unterschiedlichster Qualität
  • Endometriose spielt sich dabei nicht nur im biologischen,sondern auch im sozialen Leben von Frauen ab. Denn eine Frau, die längere Zeit an chronischen Schmerzen leidet, verändert sich
  • Im Umgang mit Endometriose ist deshalb eine ganzheitliche Sicht notwendig, die die Lebensqualität und nicht nur das „Funktionieren“ berücksichtigt
  • Durch mehr Wissen und Kompetenz können Frauen lernen, mit einer chronischen Endometriose gut zu leben und sich eine optimale Behandlung zu sichern

Die Endometriose ist eine rätselhafte und sehr komplexe Erkrankung, deren Entwicklung und Fortschreiten nur unvollständig geklärt sind und deren Ursache bis heute unbekannt ist. Geschätzt wird, dass etwa 7 bis 15 % der weiblichen Bevölkerung während der Phase der Geschlechtsreife eine Endometriose haben. Offensichtlich ist die Endometriose aber nur bei einem Teil der betroffenen Frauen aktiv, indem sie Beschwerden verursacht, fortschreitet und Organe und Organfunktionen zerstört. In den anderen Fällen ist sie nur ein bedeutungsloser Zufallsbefund, der vom körpereigenen Abwehrsystem inaktiviert wurde.

Neuere Untersuchungen über die Beziehungen von Endometriose und ungewollter Kinderlosigkeit, spontanen Fehlgeburten, Störungen in der Hormonproduktion der Eierstöcke, entzündlichen Reaktionen im kleinen Becken und Veränderungen in der Immunabwehr führten dazu, dass zumindest Detailbereiche dieser Erkrankung besser verstanden werden.Hauptsächlich hängt die Entwicklung einer Endometriose von den vor Ort herrschenden Bedingungen im kleinen Becken ab. Durch Störung dieses sogenannten »lokalen Milieus« können Zellen veranlasst werden, unordentlich zu wachsen, sich unkontrolliert zu verändern und dadurch gesunde Strukturen zu schädigen. Entscheidend für das Fortschreiten der Erkrankung ist, dass sich zunächst kleinste Absiedelungen von endometrialem Gewebe kontinuierlich ausdehnen, wodurch zunehmend die Organe des kleinen Beckens und auch des Bauchraumes befallen werden. Auch ein ungleichmäßiges fortschreitendes Ausbreiten über Lymphwege und Blutgefäße ist möglich, wenn Endometriosegewebe durch diese Kanalsysteme (ähnlich wie Tochtergeschwülste bei Krebserkrankungen) an weiter entfernt liegende Organe verschleppt wird.

Die von Frau zu Frau individuell unterschiedlichen Veränderungen der Endometrioseherde, die durch unterschiedliche Wachstumsgeschwindigkeit, aber auch spontane Rückbildungsvorgänge gekennzeichnet sind, werden zwar entscheidend von den Hormonen der Eierstöcke beeinflusst, diese sind aber nicht die Ursache für die Entstehung der Erkrankung.Neben den Hormonen sind weitere Faktoren von Bedeutung.

Warum die Diagnose oft schwierig ist
Symptome, Lokalisation und Häufigkeit

Die Endometriose verursacht typischerweise unterschiedlich starke, langsam zunehmende und zeitweise unerträgliche Menstruations beschwerden, chronische, zyklische oder permanente Schmerzen vor allem im Beckenbereich, aber auch im gesamten Bauchraum, sowie ungewollte Kinderlosigkeit. Ferner klagen Endometriosepatientinnen häufig über uncharakteristische Störungen des Allgemeinbefindens.

Eine Endometriose kann wiederholte stationäre Behandlungen, operative Eingriffe und langfristige medikamentöse Therapien erforderlich machen. Je nach dem, wo sich die Endometriose angesiedelt hat und welche Organe mit befallen sind, variieren die Beschwerden. Und endometriosebedingte Verwachsungen und Narben führen zu zyklusunabhängigen Beschwerden. Oft steht die Schwere der Erkrankung nicht im Zusammenhang mit der Intensität der Beschwerden. Und ein nicht unbedeutender Teil aller Endometriosen ruft überhaupt keine Beschwerden hervor. Präzise Angaben über die tatsächliche Häufigkeit der Endometriose können deshalb nicht gemacht werden, sondern nur für Häufigkeitsbereiche von genau bezeichneten Untergruppen. Das typische Alter zum Zeitpunkt der Erstdiagnose liegt z. Zt. zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Ursache für die steigende Erkrankungsrate »jüngerer Frauen« ist wahrscheinlich die verbesserte Diagnostik, da die diagnostische Laparoskopie (Bauchspiegelung) häufiger eingesetzt wird, um ungewollte Kinderlosigkeit, unklare Unterbauchbeschwerden und sekundäre Menstruationsschmerzen abzuklären.

Neben diesen Beschwerden, die die Endometriose am Ort ihrer krankhaften Wachstumsprozesse hervorruft, leiden die betroffenen Frauen noch an verschiedenen unspezifischen Symptomen, die ihr Befinden z. T. erheblich beeinträchtigen und sie durch chronische Beschwerden auch psychisch belasten. Allgemeines Unwohlsein, diffuse Bauchbeschwerden, Völlegefühl, Stimmungsschwankungen und Antriebsarmut sind viel häufiger mit Endometriose verbunden, als dies aus der medizinischen Literatur hervorgeht. Dies konnten die amerikanischen Selbsthilfegruppen (Tab.1) eindrucksvoll anhand großer Datenerhebungen nachweisen.

Nur wenn wir Ärzte und Ärztinnen in der Zukunft auch auf uncharakteristische Beschwerden genauer achten und die Endometriose in allen Altersklassen mit in Erwägung ziehen, werden wir den betroffenen Frauen helfen und unnötige jahrelange Schmerzzustände, Beeinträchtigungen des Wohlbefindens und der Leistungsfähigkeit vermeiden können.
Da die diagnostische Abklärung schwierig ist und bei der gynäkologischen Untersuchung die Endometriose in den frühen Stadien unauffällig bleibt, wurden diese Beschwerden von den Ärzten in der Vergangenheit entweder nicht genügend berücksichtigt oder es wurden falsche Diagnosen gestellt (Tab. 2) und damit erfolglose Fehlbehandlungen eingeleitet. Oder die Beschwerden wurden als psychosomatisch bedingt falsch interpretiert. So erklären sich die oft bis zu fünf Jahre dauernden Leidensgeschichten der Frauen, bis endlich durch Bauchspiegelung die richtige Diagnose gestellt wird.

Die chirurgische Therapie der Endometriose

Seit vielen Jahren wird versucht die Endometriose in Stadien einzuteilen. Es wurden verschiedene Schemata benutzt, um diese Erkrankung besser beurteilen bzw. therapieren zu können. Der zurzeit häufigste eingesetzte Score ist jener der AFS (American Fertility Society). Dabei werden insbesondere nur die Herde, die direkt bei der Bauchspiegelung zu sehen sind, beurteilt. Es wird zwischen Schweregrad I bis IV unterschieden. Die Endometriose kann aber auch außerhalb der Bauchhöhle, d.h. unter dem Bauchfell, an der Beckenwand vorliegen. Dies gilt insbesondere bei einer tief infiltrierenden Endometriose (TIE). Es kann somit sein, dass eine Patientin mit einem niedrigen Score nach AFS (z.B. Stadium I-II) trotzdem eine ausgedehnte, schwere Endometriose in der Tiefe des Beckens außerhalb des Bauchraumes hat. Damit repräsentiert der AFS-Score das Ausmaß der Krankheit nicht.
Aus diesem Grund hat die SEF (Stiftung Endometriose Forschung Deutschland) ein zusätzliches Beurteilungsschema (Enzian Score) entwickelt. Durch die Kombination des AFS und des Enzian Scores ist eine sehr gute Beschreibung der Erkrankung in all ihren verschiedenen Facetten möglich.

Indikationsstellung – Gründe für operative Maßnahmen

Ziel jeder Operation ist die Entfernung und die weitgehende Destruktion (Zerstörung) aller Endometrioseherde. Aufgrund der unterschiedlichen Erscheinungsformen dieser Krankheit werden entsprechend unterschiedliche Operationsmethoden angewandt. Vor jeder Operation steht die exakte Indikationsstellung, d.h. durch eine gründliche Erhebung der Krankengeschichte und Diagnostik wird der behandelnde Arzt in Abstimmung mit der Patientin und unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse einen chirurgischen Eingriff planen und durchführen.

Operative Methoden dienen einerseits zur Sicherung der Erkrankung und andererseits zur Therapie derselben. Eine exakte Diagnose kann nur durch Gewinnung von Gewebeproben und anschließend feingeweblicher Untersuchung (Histologie) gestellt werden. (Photo 1) Ist die Erkrankung bereits mit den üblichen gynäkologischen Untersuchungen darstellbar (z.B. in der Scheide oder am Muttermund sichtbar), kann dort direkt eine Probeentnahme (Biopsie) zur Diagnosebestätigung durchgeführt werden. In den meisten Fällen jedoch ist die Endometriose im Bauchraum lokalisiert und nur durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie = Pelviskopie) oder über einen Bauchschnitt darstellbar.

Die häufigsten Indikationen zu einer Operation sind Schmerzen und Unfruchtbarkeit bzw. Funktionsstörungen der Organe.
Diese Schmerzen werden durch anatomische Veränderungen bzw. Funktionsstörung der Organe verursacht:

  • Zunehmende Schmerzen während der Periodenblutung (auch unmittelbar vor und nach der Menstruation
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • periodenabhängige Störungen der Darmfunktion (Diarrhoe, etc.)
  • periodenabhängige Schmerzen bei der Stuhlentleerung
  • periodenabhängige Schmerzen beim Wasserlassen
  • periodenabhängige Schmerzen in der Nabelgrube, im Zwerchfellbereich, Leistenregion oder anderen Körperregionen.

Die betroffenen Organe weisen durch die Endometriose meist Veränderungen an Struktur, Größe und Funktion auf. Diese Organveränderungen, wie

  • druckschmerzhaftes Gewebe (Knoten etc.) im Bereich hinter und neben der Gebärmutter, in der Scheide, zwischen Scheide und Darm, zwischen Scheide und Blase, in der Gebärmutterwand etc.
  • sowie auffällige Strukturveränderungen im sonographischen Bild (Ultraschall) der Genitalorgane wie z.B. Endometriosezysten an den Eierstöcken (Ovarialendometriose), unruhiges Echomuster in der Gebärmuttermuskulatur (Adenomyosis = interne Endometriose), geplanter (erweiterter) Harnleiter oder Nierenbecken, Verdickung der Darmwand, und
  • Einengung des Darmes (rektale Untersuchung), Unregelmäßigkeiten der Darmschleimhaut (rektale Untersuchung),

können entweder durch eine gynäkologische Untersuchung (Palpation), Ultraschalluntersuchung oder durch eine Röntgenaufnahme (CT, MRT) nachgewiesen werden.

Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch haben wesentlich häufiger Endometriose. Die Endometriose stört die Funktion von Eierstock, Eileiter und Gebärmutter und verhindert somit das Eintreten einer Schwangerschaft. Entzündungen gehen mit dem Freiwerden von chemischen Substanzen und Makrophagen einher und unterdrücken den Eisprung, beeinflussen den Eitransport und das Einnisten (Nidation) der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter. Daneben werden durch Entzündungsprozesse Organstrukturen beeinträchtigt bzw. verändert, was auch zu Verklebungen zwischen den Beckenorganen (Verwachsungen, Adhaesionen) führt, die die Organgrenzen und -funktionen teilweise oder ganz aufheben.
Wird die Diagnose Endometriose durch eine Bauchspiegelung gestellt, muß über das weitere Vorgehen entschieden werden .

Die Operationsmethoden und ihre Vor- und Nachteile

  • Bauchspiegelung (Laparoskopie, Pelviskopie)
  • Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie)
  • Bauchschnitt (Laparotomie)
  • Operationen von der Scheide (vaginale Operationen)
  • Second-Look-Laparoskopie

    Bauchschnitt versus Bauchspiegelung
    Die Entscheidung, ob ein Bauchschnitt oder eine Bauchspiegelung nötig ist, unterliegt verschiedenen, teilweise sehr individuellen Parametern. Es gibt keinen Zweifel, daß die Laparoskopie das klassische Verfahren zur Abklärung der Verdachtsdiagnose Endometriose darstellt. Bei der Wahl des korrekten Zugangsweges zur Therapie müssen dem Ausmaß des Befundes einerseits und der individuellen Ausbildung und Erfahrung des Operateurs andererseits Rechnung getragen werden. Da die Endometriose in vielen Fällen einen chronischen Charakter hat, muß trotz gründlichster Operation und ggf. entsprechender hormoneller Therapie mit dem Wiederauftreten der Erkrankung gerechnet werden. Wird dann wieder ein Eingriff notwendig, so kann die minimal invasive Chirurgie (Laparoskopie) das Risiko deutlich verringern und eine entsprechende Lebensqualität für die Patientin erzielen. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, daß bei Anwendung der Laparoskopie gegenüber der Laparotomie (Bauchschnitt) gleichwertige Ergebnisse in Hinblick auf Schmerzfreiheit und Schwangerschaftsraten erzielt werden.

Die chirurgische Methoden zur Therapie der Endometriose

  • Excision mit Schere (Herausschneiden), mit einer elektrischen Nadel oder CO2-Laser
  • Erhitzen (Denaturieren) mit Hochfrequenzstrom oder Lasersystemen
  • Verdampfen (Vaporisation) mit dem CO2-Laser

... Excision mit Schere (Herausschneiden), mit einer elektrischen Nadel oder CO2-Laser
Beim Herausschneiden von Endometrioseherden besteht die Möglichkeit einer feingeweblichen Begutachtung der Gewebsproben (Histologie). Außerdem kann bei diesem Verfahren das Ausmaß der Erkrankung gut beurteilt werden. Das rechte Ligamentum sacrouterinum (Gebärmutterband) wird mit dem Laserstrahl als ganzes herausgeschnitten und damit die darin befindlichen Endometrioseherde entfernt. Das linke Band ist noch nicht therapiert (rote Herde).
Abb. 3 Koagulation von Endometrioseherden
...

Abb. 3 Koagulation von Endometrioseherden
Normaler Eierstock
Eierstock mit oberflächlicher Endometriose
Ovarialendometriose und starken Verwachsungen

Homöopathische Therapie der Endometriose

Brauchen (Endometriose-)Frauen eine andere Medizin?

Leider gehört Endometriose auch heute noch zu den meistverkannten gynäkologischen Krankheitsbildern. Wie überhaupt in unserer derzeitige Medizin frauenspezifische Faktoren weitgehend unberücksichtigt bleiben.

So ist es erwiesen, dass Frauen doppelt so oft zum Arzt gehen als Männer, damit ihre Symptome ernst genommen werden. Ihre Beschwerden werden eher als psychosomatisch interpretiert, Ärzte diagnostizieren bei Frauen schneller psychische Störungen, z.B. Depressionen, und sie bekommen häufiger und mehr Beruhigungs-, Schlaf-, Schmerzmittel oder Antidepressiva verordnet.Nach einem Herzinfarkt kommen Frauen eine Stunde später in die Klinik als Männer, wie Studien zeigen. Und bei Notarzteinsätzen werden sie seltener reanimiert. Prof. Anke Rohde, Leiterin der Abteilung Gynäkologische Psychosomatik der Uniklinik Bonn sagt dazu: „Viel zu oft werden Frauen-spezifische Beschwerden noch auf Stammtisch-Niveau wahrgenommen.“ Hinzu kommt, dass Medikamente bei Frauen anders wirken, als bei Männern, die Arzneimittelforschung aber bislang kaum Geschlechtsunterschiede beachtet: Medikamente werden nach wie vor überwiegend an jungen Männern getestet und die Ergebnisse eins zu eins auf Frauen übertragen.

Studien an Frauen gibt es erst in der allerjüngsten Zeit. Diese zeigen, dass Frauen durch Aspirin weniger gut als Männer vor Herzinfarkt geschützt sind, und dass der weibliche Organismus weniger Schmerzmittel braucht: Frauen scheinen härter im Nehmen zu sein. Körper und Organe von Männern und Frauen funktionieren teilweise geschlechterunterschiedlich. So weiß man, dass in der Leber von Frauen weniger Alkoholdehydrogenase, ein das Alkohol abbauende Enzym, gebildet wird. Frauen haben einen höheren Körperfettanteil und wiegen weniger als Männer.
Frauen sind eben anders als Männer. Wir brauchen eine „Gender Medicine“, eine geschlechterbezogene Medizin, die Frauen wie Männer in ihrer Besonderheit sieht und damit optimal zu behandeln vermag. Und vor allem brauchen wir eine wirklich humane, auf den betroffenen Menschen ausgerichtete Medizin, die nicht nur die Organerkrankungen in leitliniengerechtem Vorgehen zu beseitigen versucht, sondern von dem Wunsch getragen ist, zu bleibender Gesundheit und umfassendem Wohlergehen der Menschen beizutragen.

Die klassische oder konstitutionelle Homöopathie ist immer eine Medizin der Person, also eine ganzheitliche Medizin, die einen darin erfahrenen homöopathischen Arzt oder Heilpraktiker erfordert. Dieser wählt das Arzneimittel nicht nur auf den Akutzustand des Patienten hin aus, sondern berücksichtigt ebenso die gesamte Vorgeschichte, eine Häufung familiärer Erkrankungen, Neigungen und Bedürfnisse wie Essens-, Trink- und Schlafgewohnheiten und auch wiederkehrende Träume, Ängste, Gewohnheiten, Lebensumstände.

In einer solchen homöopathischen Erstanamnese versucht der Homöopath, sich aus allen Symptomen ein Bild von seiner Patientin/seinem Patienten zu machen und sucht dann aus den vorhandenen, nahezu 3 000 homöopathischen Arzneimitteln, eines aus, das diesem Bild möglichst ähnlich ist. Dieses Arzneimittel wird in potenzierter Form, also verdünnt und verschüttelt, verabreicht. Hilfsmittel zum Auffinden der richtigen Arznei sind strenge Richtlinien für das Gewichten der relevanten Symptome, die Hierarchisierung, und das Repertorium.

Homöopathische Arzneien begleitend zu operativen Eingriffen:

Arnika D12 Globuli
Wirkung: Fördert die Wundheilung und unterstützt die postoperative Genesung nach chirurgischen Eingriffen.
Einnahme: Am Tag vor der Operation beginnend drei bis fünf mal täglich drei Stück, bis die Wunde gut verheilt ist.

Carbo vegetabilis D12 Globuli:

Wirkung: Bei postoperativem Aufgetriebensein des Bauches, Blähungen, Aufstoßen und Schwächezustand.
Einnahme: Drei bis fünf mal täglich drei Stück bis zur Beschwerdefreiheit.


Zur Narkoseausleitung und Wundheilung

Heiltee

20g Frauenmantel: Bindet Giftstoffe im Darm durch die enthaltenen Gerbstoffe und wirkt hormonell ausgleichend.
20g Schafgarbe: Bindet Giftstoffe im Darm durch die enthaltenen Gerbstoffe und regt die Nierentätigkeit an.
20g Storchschnabel. Dieser bindet Giftstoffe im Darm durch die enthaltenen Gerbstoffe, eine starke Entgiftungsplanze.
20g Walnussblätter: Binden Giftstoffe und sogar Pestizide im Darm durch die enthaltenen Gerbstoffe.
20g Löwenzahnbätter: Leberheilpflanze.

Anleitung: Drei bis vier Eßlöffel der Mischung mit einem halben Liter kochendem Wasser überbrühen und dann fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Danach abseihen, und eventuell mit ein wenig Honig gesüßt, über den Tag verteilt trinken. Zirka sechs bis zwölf Wochen lang.

Erfahrungen aus der Selbsthilfearbeit

Endometriose bei Teenagern
Zu den „Mythen“, die sich nach wie vor hartnäckig im medizinischen System aufrecht halten, gehört die Aussage, Endometriose trete erst bei Frauen ab dem 30. Lebensjahr auf. Diese Behauptung führt unter anderem zu der falschen Annahme, dass Endometriose bei Teenagern nicht in Erscheinung tritt, was leider nicht der Fall, wie sich in unserer 10-jährigen Beratungsarbeit zeigt
. Viele Anfragen erreichen uns gerade von Müttern, deren Töchter erste Symptome oder eine Endometriose-Diagnose haben. Aber auch Endometriose-Erkrankte berichten, dass sie bereits seit ihrer frühesten Jugend starke Menstruationsschmerzen hatten. Diesen Beschwerden wird bis heute kaum Krankheitswert zugebilligt und den jungen Mädchen von ihrer Umgebung suggeriert, dass diese Schmerzen „normal“ seien (Betroffene berichten).

In einigen Fällen wurden bei den Endometriose betroffenen Teenagern Eierstockzysten diagnostiziert, so dass die Betroffenen bereits früh von stark eingreifenden chirurgischen Therapien betroffen sind. Wie schwierig muss für sie zusätzlich zu den Schmerzzuständen, die Konfrontation mit einer möglichen Organentfernung (Eierstock) und damit verbundenen Fruchtbarkeitsstörungen sein?

In den USA wurden deshalb von der Endometriosis Association spezielle Informationsprogramme für Mädchen und junge Frauen aufgelegt, um ihnen durch gezielte Information diese Unsicherheiten und lange unnötige Leidenswege zu ersparen.


Schwangerschaft
Ein weiterer Endometriose-Mythos ist die nachhaltige Heilwirkung einer Schwangerschaft. So berichtete eine Frau, dass nach der Entfernung der Endometriose-Herde durch eine Laparoskopie die behandelnden Ärzte/Ärztinnen bei jeder Visite immer wieder unterstrichen, wie wichtig jetzt eine Schwangerschaft sei, damit die Endometriose nicht wieder auftrete. „… schließlich standen sie wie ein Chor jeden Tag an meinem Bett und wiederholten, dass ich schwanger werden sollte“.
Über eine derart fast schon nötigende Einflussnahme in ihre persönlichen Lebensentscheidungen beschweren sich sehr viele Frauen. Anstelle dieser stereotypen Ratschläge ist jedoch gerade hinsichtlich Schwangerschaft und Kinderwunsch eine umfassende und ausgewogene Beratung notwendig. Ein Kind ist kein Medikament oder gar eine Therapie! Bei der Entscheidung für ein Kind spielen Aspekte der eigenen Lebenssituation, der beruflichen Laufbahn und andere Umstände eine primäre Rolle. Eine Schwangerschaft ist zudem keine Garantie, dass Endometriose-Symptome nicht mehr auftreten, auch wenn die Zahl derjenigen Frauen verhältnismäßig hoch ist, die nach einer oder mehreren Schwangerschaften vollständig oder über längere Zeit frei davon sind.
Betroffene müssen sich daher vorab fragen, wie sie mit einem eventuellen Wiederauftreten der Erkrankung seelisch fertig werden und wie bei gravierenden Symptomen die Betreuung und Erziehung eines Kindes zu organisieren wäre...
Auch ist bisher noch nicht abschließend geklärt, ob die familiäre Häufung von Endometriose, die in etwa 7% der Fälle zu beobachten ist, auf genetischen Faktoren beruht...

Wechseljahre und Gebärmutterentfernung
Dass mit Eintritt in die Wechseljahre die Endometriose-Symptome enden, ist zwar grundsätzlich richtige, aber nur mit Einschränkungen. Durch eine radikale Entfernung der weiblichen Organe anschließend vollständig geheilt zu sein, ist ein verständlicher Wunsch der Betroffenen, darf jedoch niemals Grundlage für diese OP-Entscheidung sein.
Endometriose-Spezialisten und -Spezialistinnen wissen, dass Endometriose auch noch im Alter oder nach der Entfernung der Gebärmutter und den Eierstöcken auftreten kann. Eine Erkenntnis, die leider noch nicht jeden Gynäkologen erreicht hat, wie die Rückmeldungen betroffener Frauen bestätigen.
Darüber hinaus können bei älteren Frauen auch Sekundärfolgen der Endometriose auftreten, die die Betroffenen für sich unter „Endometriose“ einordnen. Nach jahrzehntelangem Leidensweg und mehreren Operationen sind Verwachsungen und die damit verbundenen Schmerzen auch nach den Wechseljahren sehr wahrscheinlich. Für diese Patientinnen ist es vollkommen unerheblich, ob ihr Fall womöglich als selten gilt, oder ob es sich um eine Endometriose im engeren Sinne handelt. Nicht nur, dass hier die Erwartungen auf ein „natürliches“ Ende der Endometriose nicht erfüllt wurden, häufig sind die Betroffenen auch mit dem Unverständnis und der Ablehnung ihrer behandelten Ärzte konfrontiert, die scheinbar nach dem Motto „Was nicht sein kann, das nicht sein darf“ (Chr. Morgenstern) reagieren.